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DEUTSCHLANDFUNK

Donnerstag, den 17. März, die Untersuchung:

Das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Untersuchung des Heidelberger Ordinarius für Deutsche Philologie Professor Peter von Polenz war a priori klar. Es ging darum, "einige kritische Sprachbetrachter" beziehungsweise "einige überempfindliche Sprachkritiker", ja "unsere eifrigen Sprachkritiker" überhaupt zu widerlegen. Deshalb brauchte der Autor auch keinen übertriebenen wissenschaftlichen Aufwand, um seine These zu belegen, daß der Nationalsozialismus keine ideologische Nachwirkung auf die deutsche Sprache hinterlassen habe.

Er glaubte sein Beweisziel immer dann schon erreicht, wenn ihm der Nachweis gelang, daß ein Terminus aus dem Wörterbuch des Unmenschen schon vor der Zeit des Nationalsozialismus üblich gewesen sei – so als habe sich die Unmenschlichkeit in Deutschland erst vom 30. Januar 1933 an in Sprache artikuliert.

Gewiß, von Polenz hatte einmal recht, wenn er erläuterte, daß der heute noch sehr beliebte Terminus "bis zur Vergasung" ursprünglich nicht in Auschwitz geprägt wurde, sondern schon vorher gebräuchlich war – ohne Assoziation an die Vergasung der Juden – als eine aus der Physik eingedrungene umgangssprachliche Wendung. Aber ist es wirklich so, daß diese Redewendung nach Auschwitz einen "bösen Beiklang" nur für "einige Sprachteilhaber" (die übrig gebliebenen Juden wohl) erhalten habe?