DIE ZEIT

Eine Note macht noch keine Politik

Die Friedensnote der Bundesrepublik kündigt keine revolutionäre Wende der deutschen Politik an. Die Voraussage birgt kein Risiko: Sie wird nur die ohnehin Überzeugten überzeugen, bei den Widersachern Deutschlands jedoch – den Hauptadressaten also – ihren Eindruck verfehlen und bei den bisher Zweifelnden die Zweifel kaum ausräumen.

Stalin bleibt tot

Schon zu Beginn des XXIII. Moskauer Parteitages hat sich gezeigt, daß zehn Jahre nach der großen Abrechnung mit dem stalinistischen Herrschaftssystem eine Auferstehung des Diktators nicht zur Debatte steht; allerdings auch nicht sein drittes Begräbnis.

Kollektiver Ungehorsam

In den Augen der SED ist Professor Robert, Havemann ein politischer Schwerverbrecher. Erst wurde er aus der Partei ausgeschlossen.

Schlappe der Liberalen

Die Sozialdemokraten haben bei der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft ihren bisher größten Erfolg in der Hansestadt errungen. Wieder einmal bestätigt sich die alte Erfahrung: Das Stimmungspendel schlägt nach jeder Bundestagswahl zurück, in den Ländern erscheint dann die SPD in einem strahlenderen, die CDU in einem blasseren Licht.

ZEITSPIEGEL

"Wer mit der Mutter Erde zu tun hat, sei es, daß er sie bebaut, sei es, daß er in ihren Tiefen gräbt, ist bei uns der rein ökonomischen Betrachtung entzogen; er ist ein Stück Mystik, ein erdverbundenes nationales Gut.

Wolfgang Ebert:: Wenn der Osten nicht will

"Nun hat es auch ihn erwischt. Nie werde ich diesen Moment vergessen – wie er das sagte mit der Sowjetunion, die in die Reihe der Volker eingetreten ist, die den Frieden wollen.

"Wählt jetzt und urteilt später!"

Seit vier Jahren ist Großbritannien auf der Suche nach einer stabilen Regierung. Als im Sommer 1962 Macmillan sein halbes Kabinett auf die Straße setzte – nach Harold Wilsons Meinung "die falsche Hälfte" – begann der Reigen der Administrationen.

Peking bricht mit dem Kreml

Der XXIII. Parteitag der KPdSU geht ohne chinesische Kommunisten über die Moskauer Bühne. Die Chinesen boykottieren den Parteikongreß.

Ein Anfang, keine Wende

Die Bundesregierung empfindet das bisherige Echo auf ihre "Friedensnote" als recht positiv. Man weist in Bonn darauf hin, daß den deutschen Vorschlägen in vielen Blättern der neutralistischen Länder breiter Raum gegeben wurde und daß sie besonders in Indien, in der Vereinigten Arabischen Republik und mehreren südamerikanischen Ländern starkes Interesse fand.

Welche Antwort an de Gaulle?

General de Gaulle setzt die westlichen Verbündeten unter ungeheuren Zeitdruck. Schon im Sommer will Frankreich den Auszug aus der militärischen Organisation der NATO vollenden.

Raketen, Hallen, Millionen

In sechseinhalb Monaten muß Bundesverteidigungsminister von Hassel erneut wegen des Starfighters Rede und Antwort stehen. Der Bundestag hat den Minister einstimmig aufgefordert, dem Verteidigungsausschuß bis zum 15.

Ulbrichts zweiter Brief

Deutsche Sozialdemokraten und Kommunisten haben sich in ein gesamtdeutsches Abenteuer eingelassen, von dem bisher keine Seite weiß, wie es ausgehen wird.

Deutscher Dialog

Aus dem Briefdialog zwischen SPD und SED soll demnächst ein offenes Gespräch werden. Ulbricht wollte zuerst eine gesamtdeutsche Beratung hinter verschlossenen Türen.

Jemen – ein geteiltes Land mehr

Das ägyptische Expeditionskorps im Jemen beendet in diesen Tagen seinen Rückzug aus den Bergfestungen im Norden und Osten des Landes, also in den von royalistischen Stämmen beherrschten Gebieten.

Von ZEIT zu ZEIT

Die Londoner Zionisten äußerten sich besorgt über den Stimmengewinn der NPD bei der Hamburger Bürgerschaftswahl. Eine weltweite Friedensoffensive der Bundesrepublik stieß im Ostblock auf Mittrauen.

Etwas Neues aus Bonn

Rechtzeitig vor Beginn des 23. Moskauer Parteitages verschickte die Bundesregierung eine "Friedensnote" an 115 Staaten der Erde.

Sukarno: Immer nur lächeln

Ein Mensch ohne Lächeln ist nicht richtig angezogen" sagte Sukarno als er vorige Woche unerwartet bei einem Galaempfang der pakistanischen Botschaft in Djakarta auftauchte.

Namen der Woche

Pravin Chandra Bhanj Deo, der frühere Maharadscha von Bastar im mittelindischen Bundesstaat Madhja Pradesh, wurde in seinem Palast zu Jagdalpur tot aufgefunden.

Friedenskuß in Rom

Zum erstenmal seit der englischen Reformation im Jahre 1534 trafen sich vorige Woche in Rom ein Papst und ein Primas der anglikanischen Kirche zu einem Versöhnungsgespräch.

Pakistan: Jubel um Liu

Das kommunistische China konnte Anfang dieser Woche nach einer Serie von Mißerfolgen zum erstenmal wieder einen diplomatischen Triumph feiern: Staatspräsident Liu Schaotschi wurde bei seinem Freundschaftsbesuch in Pakistan von Millionen Menschen begeistert begrüßt.

Umsturz in Ecuador

Nach tagelangen blutigen Studentenunruhen wurde am Dienstag die Militärjunta im südamerikanischen Andenstaat von den Oberbefehlshabern der Streitkräfte gestürzt.

Schock in Hamburg

Die Hamburger Bürgerschaftswahl am letzten Sonntag brachte mehrere Überraschungen: Bei der geringsten Wahlbeteiligung seit dem Krieg (68 Prozent) errangen die Sozialdemokraten ihre bisher größte Mehrheit in Hamburg (59 Prozent, also fast zwei Prozent mehr noch als 1961).

Paris zieht das Tempo an

Wahrscheinlich werden die Vereinigten Staaten entgegen dem Wunsch de Gaulles nun auch darauf drängen, daß der ständige NATO-Rat, das politische Organ der Organisation, ebenfalls seinen Sitz aus Frankreich verlegt.

Ein Korb aus Peking

Mit einem Paukenschlag aus Peking begann der 23. Parteitag der KPdSU in Moskau. Wenige Tage vor Beginn des Kongresses, zu dem alle kommunistischen Parteien der Welt eingeladen waren, erteilten die chinesischen Kommunisten ihren Genossen in Moskau eine brüske Absage.

Zehn Jahre Bonner Ostpolitik

Februar 1964: Persönliche Botschaft Erhards an Chruschtschow: Verzicht auf Gewaltanwendung. Vorschlag, den Paßzwang abzuschaffen und einen Zeitungsaustausch zuzulassen.

Mörder im weißen Kittel

Es war an einem Verhandlungstag im Nürnberger Ärzteprozeß. Man schrieb das Jahr 1946. Im Zeugenstand sagte ein ehemaliger jüdischer Häftling von Auschwitz aus: "Wir kamen nach Auschwitz I in den Krankenbau, Block 20.

Von Lübeck nach Hamburg

Punkt 22 Uhr fünfundfünfzig verließ der Eilzug nach Hamburg den Lübecker Hauptbahnhof. Auf der Diesellokomotive war niemand.

Gen Engeland auf verbotenen Planken

Es heißt, die Hafenkapitäne der westeuropäischen und skandinavischen Häfen seien eine große Familie. In diesem Sinne war es auch ein Familienfest, zu dem Hamburgs Hafenkapitän Werner Morgenstern reisen wollte: Sein Kollege in Southampton hatte Hochzeit.

Günter Weigand – der Angeklagte vom Dienst

Der Weigand-Prozeß neigt sich dem Ende zu. Ob er endgültig abgeschlossen wird oder nur vorläufig, ob Dr. Günter Weigand bereit sein wird, das Urteil anzunehmen oder Rechtsmittel einlegen wird – niemand wagt eine Prognose, auch der Angeklagte Weigand nicht.

Halbmast über Dahlbusch

Die schwarzrotgoldene Fahne auf dem Förderturm wehte auf Halbmast. "Ich bin der letzte" stand mit Kreide auf dem mit Kohle beladenen Förderwagen.

Tod für Mord

Dr. Fischer forderte Anfang 1943 von mir Bekleidungsstücke für 300 Häftlinge, damit sie nicht so frieren, wenn sie auf Transport gehen", sagte Felix Amann aus Weißenfels als Zeuge im Prozeß des Obersten Gerichtshofs der DDR gegen den ehemaligen SS-Arzt Dr.

Der Protest in der Antoniuskirche

Die Frau trat zum Weihwasserbecken, bekreuzigte sich und verließ die Kirche. Draußen war es schon dunkel. Der Straßenverkehr auf der Weseler Straße in Münster war abgeebbt.

FERNSEHEN: Reinheit und Fleischeslust

Wolfgang Liebeneiner inszenierte Jean Giraudoux’ umstrittenes Spätwerk Lukretia. Das vertraute Arsenal, der Spießer und die beredte Wollust, der redliche Weise und die geschäftige Kupplerin, waren versammelt; auch der Bote aus anderen Bereichen, ein Vertreter jenes Absoluten, demgegenüber sich das Menschlich-Allzumenschliche argumentierend verteidigen muß, war mit von der Partie: Lukretia, eine Schwester der Elektra – auch sie eine einsame Zeichengeberin, Verräterin der Solidarität des Mittelmäßigen, auch sie, wie das griechische Mädchen, eine Figur, die durch ihre Unbedingtheit eine Welt zur Entlarvung zwingt, in der man Kompromisse machen muß, um leben zu können, in der man liebt, einander verrät und die kleinen und die großen Lügen als Existenznotwendigkeit betrachtet.

Unser Kritiker sah:: DER SCHWARZE FISCH

Der Südfranzose Armand Gatti schien nach den ersten Stücken, die von ihm in Berlin (Schaubühne am Halleschen Ufer) und in Essen gezeigt wurden, vor allem ein politisch engagierter Autor zu sein.

Zensuren für Professoren

In der Krisenchronik der Freien Universität Berlin sind neben verbalen und demonstrativen Auseinandersetzungen zwischen Professoren und Studenten einige Bombendrohungen verzeichnet.

Niederlage der streitbaren Witwe

Hätte der seit Jahren hin und her gehende Rechtsstreit zwischen der streitbaren Witwe des Malers und dem Verleger Lothar-Günther Buchheim nicht weittragende Bedeutung für die Handhabung des Urheberrechts, so würden die mutmaßlichen, bisweilen jedenfalls deutlich genug sichtbar gewordenen psychologischen Hintergründe des Streitfalles auch schon genügen, dem Prozeß ein besonderes öffentliches Interesse zu sichern.

EXKLUSIVE NACHRICHTEN: EIGENBERICHTE VOM TAGE

Walter Höllerer ist gegenwärtig dabei, sich die Mittel für eine weitere literarische Großveranstaltung zu beschaffen, welche nachdrücklicher als alle vorherigen verdeutlichen soll, welchen neuartigen Zerreißproben die Literatur im technischen Zeitalter ausgesetzt ist.

Bilder zu Brecht

Gegenwärtig ist im Augsburger Stadttheater vier Stunden täglich, von 14 bis 18 Uhr, eine Ausstellung zu besichtigen, die etwas mit Bertolt Brecht zu tun hat.

Kunstkalender

"Moderne Polnische Kunst" (Lübeck, Overbeck-Gesellschaft): Daß die Bochumer Ausstellung vor drei Jahren den Besucher sehr viel stärker beeindruckt hat, dafür kann man nicht die polnischen Künstler oder die deutschen Veranstalter oder die beiden Warschauer Experten verantwortlich machen, die ohne Frage um eine gute und wirkungsvolle Repräsentation bemüht waren.

Kein Wunder in Limerick

Obwohl ich im Laufe von fast zehn Gymnasialjahren niemals für würdig befunden wurde, bei einem der mehr oder weniger feierlichen Anlässe in unserer Aula als Rezitator in Erscheinung zu treten, und fast durchweg – von den niedersten Klassen abgesehen – für meine Leistungen im Deutschunterricht mit einem kärglichen Genügend abgespeist wurde, habe ich die unwahrscheinliche Kühnheit besessen, innerhalb der beiden letzten Jahrzehnte an nicht viel weniger (oder mehr) als etwa tausend Abenden aus den sogenannten eigenen Werken zu lesen, das heißt selbstverfaßte Gedichte, Prosastücke oder gelegentlich auch allgemeine humane Thesen vorzutragen.

Ein Amerikaner in Wien

Die sechs "Falstaff"-Vorstellungen, die er dirigieren sollte, waren lange vorher ausverkauft. Um ihn von den Stehplätzen des obersten Ranges oder hinter dem Parkett zu erleben, standen hundert Unentwegte länger als die doppelte Abendspieldauer an.

ZEITMOSAIK

Ich möchte so viele Menschen wie möglich davon abhalten, vorzugeben, sie müßten dies oder jenes tun, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

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