1400 Helfer bewerben sich beim Roten Kreuz

P. S., Bonn

Im Präsidiumsgebäude des Deutschen Roten Kreuzes an der Bonner Friedrich-Ebert-Allee steht auf einem Aktenschrank ein Schiffsmodell – weiß die Aufbauten, rot der Kiel, deutlich sichtbar die roten Kreuze, am Heck die schwarzrot-goldene Flagge. „Helgoland“ heißt das Schiff, das ein Rotkreuz-Angestellter naturgetreu im Maßstab 1:100 gebastelt hat. Das 3000-Tonnen-Original liegt zur Zeit auf der Howaldt-Werft in Hamburg, wo es von einem Seebäderschiff in ein schwimmendes Hospital mit 150 Betten umgebaut wird.

Kapitän Wolf Heese, der die noch junge „Helgoland“ durch die Nordsee gesteuert hat, wird sie auch nach Südvietnam führen. Allerdings kann er das Schiff mit seiner knapp 40 Mann starken Besatzung, die von der Reederei der Hamburger Dampfschiffahrt AG gestellt wird, erst in zwei Monaten wieder übernehmen. Nach einer drei- bis vierwöchigen Überfahrt soll das schwimmende Krankenhaus im Hafen von Saigon verankert werden.

Nur für Zivilisten

Der Einsatz der „Helgoland“ wurde mit dem südvietnamesischen Außenministerium vertraglich vereinbart. Das Schiff steht unter dem Schutz der 4. Genfer Konvention, die sich nur auf Zivilpersonen bezieht; es darf also nur Zivilisten betreuen, nicht amerikanische oder vietnamesische Soldaten. Würde für die „Helgoland“ auch die 2. Genfer Konvention gelten, dann könnten auch Militärs behandelt werden. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in Genf riet jedoch davon ab.

Ob die „Helgoland“ schon Ende Juni oder Anfang Juli Hamburg verlassen kann, hängt nicht allein vom Arbeitstempo auf der Howaldt-Werft ab, sondern auch davon, ob die „sanitäre Mannschaft“ bis dahin komplett ist. Eine achtköpfige Arbeitsgruppe unter Leitung des DRK-Generalsekretärs Dr. Schlögel, die Ärzte und Pfleger aussucht, ist „überrascht von dem Einsatzwillen und dem Idealismus so vieler Deutscher“, die helfen wollen. Er konnte die Aktion „Helgoland“ beenden, ehe sie überhaupt offiziell begonnen hatte.