Mit der Möglichkeit, daß einer der sowjetischen Düsenjäger, die in unregelmäßigen Abständen Westberliner Gebiet überfliegen, einmal vom Himmel fällt, hatten die Berliner seit langem gerechnet. Am Mittwoch vor Ostern war es soweit: In den Spandauer Stößensee, auf dem friedliche Segelboote kurvten, stürzte eine sowjetische Maschine. Vermutlich war es ein verbessertes Modell des leichten Düsenbombers „Jak 25“, der auch Atombomben transportieren kann.

Eineinhalb Stunden nach dem Absturz erschienen sowjetische Offiziere am Stößensee und wollten die Bergung der Maschine in eigene Regie übernehmen. Die Briten, in deren Sektor die Absturzstelle liegt, lehnten ab. Daraufhin beorderten die Sowjets zwanzig schwerbewaffnete Denkmals Wächter aus dem Westberliner Tiergarten an den Stößensee. Der „Tagesspiegel“ folgerte, das Denkmal sei nichts weiter als die permanente sowjetische Garnison in Westberlin. An sich dürfen nur 18 Mann dort „Wache schieben“; an diesem Tag waren über 40 anwesend.

Die Engländer ließen sich aber nicht einschüchtern. Sie komplimentierten die Sowjets wieder hinaus und holten Spezialisten aus England, um die Wrackteile genau zu untersuchen und die neuartigen elektronischen Apparaturen unter die Lupe zu nehmen. Angeblich war die Maschine mit einer Anti-Radar-Ausrüstung versehen, die Fla-Raketen ablenken kann. Die Leichen der Sowjetpiloten, ein Hauptmann und ein Oberleutnant, wurden von den Briten sofort freigegeben. Sie hätten ihr Leben geopfert, damit die Maschine nicht in ein Wohnviertel stürze, meldete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS.