Ich möchte auf eine Buchreihe aufmerksam machen, die es verdient, auch außerhalb des Leserkreises, den sie direkt anspricht, beachtet zu werden. Seit drei Jahren gibt es sie, die „Bauwelt Fundamente“, im Verlag Ullstein, Darmstadt, herausgegeben von Ulrich Conrads. Conrads ist Chefredakteur der ebenfalls bei Ullstein wöchentlich erscheinenden Zeitschrift Bauwelt.

Die „Bauwelt Fundamente“ – jedes für sich ein abgeschlossenes Buch und einzeln erhältlich – sind broschiert, haben einen Glanzumschlag wie Taschenbücher und sind sehr preiswert: Sie kosten zwischen 8,00 und 14,00 DM. Vierzehn Bände sind bisher erschienen.

Der erste enthält „Programme und Manifeste zur Architektur des 20. Jahrhunderts“, Vorschläge zur Verbesserung der Welt, Utopien – einige davon können noch nachträglich Heidenängste einjagen – gesammelte gescheiterte Hoffnungen und liebenswerte Wahnsinnstaten, wie Hundertwassers „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“.

Band zwei sind Le Corbusiers „Ausblicke auf eine Architektur“ (Vers une Architecture), die 1926 unter dem besseren Titel „Kommende Baukunst“ zum erstenmal auf deutsch erschienen und heute noch so aktuell sind und so frisch wie damals.

Band drei – ich will hier nicht alle vierzehn Bände durchnehmen, Band drei jedoch muß ich erwähnen: Werner Hegemann, „Das steinerne Berlin“ – die Geschichte der größten Mietskasernenstadt der Welt. (Kurz vor dem Ersten Weltkrieg stritten zwei statistische Ämter darüber, ob 600 000 oder 567 270 Berliner in Wohnungen wohnten, in denen jedes Zimmer mit mehr als vier Personen besetzt war.)

Hegemann, Berliner Stadtbaurat, treffsicherer Kritiker preußischer Politik, Verfasser einer Biographie über Friedrich II., schrieb „Das steinerne Berlin“ auf Anregung von Hugo Preuß, dem Vater der Weimarer Verfassung. Es ist zugleich – beginnend mit der Unterwerfung Berlins durch die Hohenzollern nach dem Konzil von Konstanz – eine nicht immer erfreuliche Geschichte preußischer und deutscher Kultur. Das Buch erschien zuerst 1930. Feinschmecker der Sachliteratur werden es kennen. Es ist ein politisches, ein ehrliches und ein spannendes Buch.

So stark sind nicht alle „Bauwelt Fundamente“; aber es ist nur ein wirklich schwaches darunter: „Gras darf nicht mehr wachsen“. Dieses Buch des Kasseler Landschaftsarchitekten Matten ist derartig konfus in den Gedanken und im Stil, daß es der guten Sache – Kampf gegen die große Landzerstörung – nicht dient. Unverständlich ist, daß Conrads, dessen guter Griff im übrigen zu loben ist, das durchgehen ließ.