Der Herausgeber der „National-Zeitung“ auf dem Oberhausener Podium

Oberhausen

Es war der erste warme Frühlingsabend in Oberhausen. Auf den Parkbänken um die Stadthalle saßen Spaziergänger und lasen Zeitung. „Deutschland – deine Juden“ war da in fetten Buchstaben auf der ersten Seite zu lesen. Ein junger Mann in Lederweste drückte sie den Vorübergehenden in die Hand. „Aus Idealismus und wegen eines kleinen Vorteils“ stand er da und brachte die „Deutsche National-Zeitung“ unter die Leute. „Dafür bekomme ich die Fahrt von Köln hierher bezahlt, meine Freundin wohnt nämlich in Oberhausen.“

Im Foyer der Stadthalle stand ein anderer junger Mann. Er verteilte Flugblätter. Auf ihnen drückte der Stadtjugendring von Oberhausen sein Befremden darüber aus, daß der Herausgeber der „Deutschen National- und Soldatenzeitung“, Dr. Gerhard Frey, ausgerechnet an einer Podiumsdiskussion der Volkshochschule teilnehmen könne. Weiter hieß es in dem Flugblatt: „Die Oberhausener Jugend bittet alle für die Stadt verantwortlichen Persönlichkeiten, dafür Sorge zu tragen, daß in Zukunft Feinde der Demokratie in Oberhausen nicht zu Wort kommen.“ In Zukunft. Vorerst hatte die Oberhausener Volkshochschule Chefredakteur Frey und seinen Freunden eine willkommene Plattform verschafft.

Der Star: Romy Schneider

Von den vier Oberhausener Zeitungen hielten nur drei einen „Offenen Brief“ an die Frau Oberbürgermeister an diesem Tage einer kurzen Nachricht wert. Ausführlich berichteten dagegen alle, daß Romy Schneider zu Filmaufnahmen in der Stadt eingetroffen sei. Vermutlich hatten die Redakteure das Interesse ihrer Leser richtig eingeschätzt.

Schon eine Stunde vor Beginn der Podiumsdiskussion waren die 250 Plätze des Auditoriums zur Hälfte besetzt. Die Nummernschilder auf den umliegenden Parkplätzen verrieten, woher die überpünktlichen Besucher kamen: aus Dortmund, Duisburg und Wesel. Die gutsituierten Herren wäre meist miteinander bekannt. Dr. Dietrich Dehnen, stellvertretender Landesvorsitzender der Nationaldemokratischen Partei (NPD) und Oberstudienrat für Deutsch, Geschichte und Religion in Duisburg, schüttelte viele Hände.