Christliche Abgeordnete wählten einen „roten“ Bürgermeister

Saarlouis

Der französische Sonnenkönig hatte ihr Städtchen gegründet. Aber dies vermerken die Einwohner von Saarlouis nur noch als eine Kuriosität ihrer Geschichte. Heute ist Frankreichs Einfluß lediglich auf Verkaufsstände, ein paar mundartliche Brocken, auf billigen Rotwein und guten Käse beschränkt. Die Wegweiser zeigen nach Metz und Trier. Und jedem, der es wissen will, erklären die Saarlouiser, daß sie zum Bistum Trier gehören.

Von den 40 000 Einwohnern sind rund 38 000 katholisch. Kein Wunder also, daß im Geschichtsunterricht das Leben der Heiligen durchgenommen wird und sich das protestantische Schulmädchen von seiner Lehrerin öffentlich bedauern lassen muß: „Du kannst halt nichts dafür, daß deine Eltern Ketzer sind.“

Saarlouis ist die kostbare „schwarze Perle“ des Saarlandes. Während der Weimarer Republik saß hier die Zentrums-Partei fest im Sattel, nach dem Kriege, zur Zeit Johannes Hoffmanns, die Christliche Volkspartei. Auch die CDU Hubert Neys konnte sich während der Abstimmung über das Saar-Statut auf das katholische Saarlouis verlassen.

Zweifel bis zuletzt

Am vergangenen Freitag indessen fiel die Stadt, seit eh und je von einem christ-demokratischen Bürgermeister regiert, aus ihrer Rolle. 20 von 35 Stadträten wählten den sozialdemokratischen Oberlandesgerichtsrat Dr. Manfred Henrich aus Saarbrücken zu ihrem Bürgermeister.