Nachdem die Stadt Frankfurt ebensowenig wie das Land Hessen zu dieser, nehmt alles nur in allem, seit langem interessantesten kulturellen Veranstaltung der Main-Metropole beigetragen hatte, ließ es sich die Frankfurter Polizei nicht nehmen, einen wirkungsvollen Schlußstrich zu ziehen – wirkungsvoll vor allem deswegen, weil sie sich genau so benahm, wie man sich überall in der Welt das Benehmen deutscher Polizei vorstellt.

Peter Handkes "Publikumsbeschimpfung" war am Donnerstagabend zum zweitenmal über die Bühne des Theaters am Turm gegangen.

Nach der Veranstaltung suchten der Autor, die Schauspieler, ihre Freunde und Helfer in der Frankfurter Wirklichkeit das, was ein konstruktives Element der Handke-Stücke ist: den Beat. So gerieten sie in das Beat-Lokal "Weindorf" in der Kaiserstraße.

Doch wußte man die Abgeordneten aus einer vergeistigteren Beat-Welt dort nicht zu schätzen, sondern wies ihnen in jener drastischen Weise, die im Nachtleben von San Francisco bis St. Pauli üblich und bei weniger durchgeistigten Besuchern wohl auch notwendig ist, den Weg nach draußen.

Im allgemeinen Puffen und Knuffen hatte sich der "Weindorf"-Portier so hervorgetan, daß die Ruhigsten und Besonnensten unter den begreiflicherweise Erregten einen Polizisten auf der Straße baten, die Personalien dieses Portiers aufzunehmen.

Ungern tat’s der Hüter der Ordnung und umständlich, so daß nächtliches Kaiserstraßenpublikum sich in größerer Zahl versammeln konnte, als der Ordnung zuträglich ist.

Dann geschahen zwei Dinge, die eine an sich noch nachtlebensübliche Situation (die. Falschen werden mit falschen Mitteln entfernt und finden bei der Polizei nur schwer Hilfe) zuspitzte: Zwei Polizisten kamen zur Verstärkung, die keine Ahnung hatten, was los war, sondern einfach "Ordnung schaffen" wollten; und irgendjemand in der aufgebrachten Menge schrie "Nazipolizei".