Schalten über einem Paradies – Heute auf den Fidschi-Inseln

Von Peter Grubbe

Es ist acht Uhr abends, als unser Flugzeug in Nandi landet. Es riecht nach Meer, nach feuchtem Zuckerrohr und nach Benzin. In der Empfangshalle des Flugplatzgebäudes steht ein braunhäutiges Mädchen und steckt jedem Passagier lächelnd eine rote Hibiskusblüte an.

Nandi ist der Flugplatz der Fidschi-Inseln. Die 322 Inseln, von denen 106 bewohnt sind, liegen zwischen Sidney und Honolulu, zweitausend Kilometer südlich des Äquators, mitten im Pazifischen Ozean. Sie gehören zu jenen Südseeinseln, von denen ungezählte Schlager singen und ungezählte Touristen. träumen. Allerdings singen die Schlager meist von Tahiti oder Hawaii. Einen Schlager, der von den Fidschi-Inseln singt, habe ich noch nie gehört.

Von den 72 Passagieren unserer Maschine, die aus Sidney kommt, fliegen denn auch 71 weiter nach Hawaii und San Franzisko. Ich bin der einzige, der in Nandi aussteigt. Ein eingeborener Paßbeamter drückt mir einen Schein in die Hand, der mir erlaubt, zehn Tage lang auf den Inseln zu bleiben; vorausgesetzt, daß ich keine Arbeit annehme, nicht heirate und nicht gegen die öffentliche Moral und Ordnung verstoße. Es klingt sehr streng, beinahe bedrohlich. Doch der Paßbeamte lächelt.

Die 322 Fidschi-Inseln sind zusammen nicht viel größer als das Land Schleswig-Holstein. Sie sind nach wie vor eine britische Kolonie. Es gibt heute nicht mehr viele Kolonien auf der Welt. Auch die meisten Inseln, die früher unter Kolonialherrschaft standen, wie Zypern oder Trinidad oder Sansibar, sind in den letzten Jahren selbständig geworden. Aber über den Fidschi-Inseln weht noch immer die britische Flagge.

„Wir wären auch hier längst rausgegangen“, versichert mir ein englischer Kolonialbeamter, den ich am Abend im Hotel .treffe und der am nächsten Morgen nach London fliegt, „aber die Einwohner wollen nicht, daß wir weggehen. Jedenfalls die Eingeborenen nicht. Mit den Indern ist das etwas anderes...