Als der Norddeutsche Lloyd sein Passagierschiff „Bremen“ fertigstellte, erhielt die Reederei vom Bund 34 Millionen Mark Darlehen zu 4 Prozent auf 16 Jahre und einen 3,6-Millionen-Kredit aus dem ERP-Sondervermögen; für den Kauf der „Europa“ erhielt sie 10 Millionen Mark ERP-Mittel und 10 Millionen Mark von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die Lübeck-Linie, Reederei der „Regina Maris“, bekam Bundesmittel in Höhe von einer Million und einen Zuschuß des Landes Schleswig-Holstein von 0,6 Millionen.

Als jetzt bekannt wurde, daß der Hamburger Jungreeder Axel Bitsch-Christensen für das von ihm geplante neue Hamburger Passagierschiff 20 Millionen Mark aus dem fünften Werftförderungsprogramm erhalten soll, versuchten zwei deutsche Reeder, bei Bundesschatzminister Dollinger diese Mittel für die Frachtschiffahrt zu retten.

Ernst Meier-Hedde, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Reeder, sorgt sich für seine Mitglieder zu denen allerdings auch Axel Bitsch-Christensen gehört – um die rund 800 Millionen Mark Auftragsvolumen für Frachtschiffe, weil für die meisten deutschen Reeder die Kapitalmarktmittel unerreichbar geworden sind.

Die drei beteiligten Ressorts – Finanz-, Verkehrs- und Schatzministerium – wollen Mannesmut vor den Reederverbandswünschen beweisen. Christensen soll die 20 Millionen zu 2,5 Prozent auf 10 Jahre erhalten. Nicht zuletzt als Belohnung dafür, daß es ihm 1965 in einer Blitzaktion gelang, von seinen Kommanditisten der (Passagier-)Schiffahrt 30 Millionen Mark als zusätzliches Kapital zuzuführen – mehr Eigenkapital als für die meisten Frachtschiffe je aufgebracht wurde. eb