W. H., Euskirchen

Kaplan Rudolf Bund aus Euskirchen sah rot. Was ihm von einem Baum in Nähe der Martinskirche entgegenblickte, konnte nichts anderes sein als Teufelswerk: ein Wahlplakat der SPD mit dem Konterfei des Landtagskandidaten Willi Matthei. Angesichts solch unchristlicher Lockungen in Kirchennähe schritt der Kaplan zu kühner Tat. Eigenhändig entfernte er die Plakattafel, zertrümmerte sie zu Kleinholz und errichtete auf dem pfarreigenen Müllplatz einen Scheiterhaufen. Dort wurde SPD-Matthei dann „verbrannt“.

Der zufällig anwesende SPD-Genosse Toni Stuebben bemühte sich vergeblich, den Brandstifter Bund zurückzuhalten. Unbeirrt schürte der Kaplan das Feuer weiter. Stuebben meldete daraufhin den Vorfall seinem SPD-Chef Bernt Arends und begehrte einen offiziellen Protest der Partei. Parteichef Arends fand den Brand des Pfarrers zwar ungebührlich, meinte indessen, ein allzu großes Aufsehen könne in dem überwiegend katholischen Kreis nur Schaden stiften. Arends wollte den Brand daher vergessen, falls Kaplan Bund sich bei ihm entschuldige.

Der Geistliche aber dachte nicht daran, seine Tat zu sühnen. Er sei im Recht, ließ er die SPD-Oberen wissen, denn der Baum, an dem das SPD-Plakat befestigt war, stehe auf Kirchengrund. SPD-Vorsitzender Arends wußte es besser. Das Grundstück ist von der Kirchengemeinde St. Martin an die Stadt verpachtet worden und damit ein öffentlicher Platz. Beleidigt verfaßten die Genossen einen offenen Brief und drohten unverhohlen: „Bei aller Toleranz kann man unseren Stadt-, Amts- und Kreisvertretern in den Parlamenten schlecht zumuten, bei der Bewilligung von Beihilfen für kirchliche Verbände die bisher geübte Toleranz weiter zu pflegen.“

Doch selbst diese Drohung fruchtete nicht. Die Kirche antwortete vielmehr mit einer Gegendrohung. Kaplan Sebastian, ein Amtsbruder des Bilderstürmers, rief Arends an und wies ihn zurecht: Kaplan Bund könne nicht nur das Wahlplakat entfernen, er dürfe auch den ganzen Baum absägen, wenn er wolle.

Böser Folgen eingedenk scheute sich der „verbrannte“ Landtagskandidat Matthei, energisch gegen die unchristliche Wahlkampfmethode des Kaplans vorzugehen. Matthei: „Ich warte erst mal ab. Voreilige Schritte möchte ich nicht unternehmen. Ich stehe jetzt im Wahlkampf, und da sähe das schlecht aus.“