Friedensangebot aus Bagdad – Moskau riet zur Waffenruhe

Ist der Kurdenkrieg jetzt wirklich zu Ende? Nach jahrelangem Guerillakrieg in den nördlichen Bergen des Irak hat der kurdische Revolutionsrat die Friedensvorschläge der Regierung in Bagdad angenommen. Aber Skepsis bleibt geboten: 1964 wurde schon einmal ein Waffenstillstand abgeschlossen, der aber kaum ein Jahr vorhielt.

Doch diesmal scheinen die Aussichten für einen Frieden größer zu sein. Trotz eines gewaltigen Aufgebots an Panzern, Artillerie und Flugzeugen, trotz Napalmbomben und Giftgas sind die Offensiven der irakischen Armee unter blutigen Verlusten zusammengebrochen. Weder im Winter noch jetzt im Frühsommer gelang es, die Kurden von ihren Nachschubwegen über die persische Grenze abzuschneiden. Die Soldaten sind kriegsmüde, die Staatskasse ist leer, und die mit Bagdad befreundete Sowjetunion rät zur Waffenruhe.

Die Kurden, ein freiheitsliebendes Halbnomadenvolk, sind wie die Araber Mohammedaner. Sie sprechen jedoch eine dem Indogermanischen verwandte Sprache. Durch die Jahrhunderte kämpften sie gegen Araber und Türken um ihre Unabhängigkeit. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde ihnen ein eigenes Königsreich versprochen, aber im Vertrag von Lausanne 1923 setzten sich die Großmächte über ihre Wünsche hinweg. Kurdistan wurde unter Rußland, der Türkei, Syrien, Persien und Irak aufgeteilt. Von den fünf bis sieben Millionen Kurden leben allein zwei Millionen im Zweistromland, fast ein Drittel der gesamten irakischen Bevölkerung. Vergebens kämpften sie unter ihrem legendären General Mullah Mustafa Barzani seit den vierziger Jahren um die Autonomie. Die Regierungen in Bagdad führten seit 1961, als Diktator Kassem seine Armee mit schweren sowjetischen Waffen ausrüstete, einen regelrechten Vernichtungskrieg gegen sie, in dem auch Frauen und Kinder nicht geschont wurden.

Der zivile Ministerpräsident in Bagdad, Abdel Rahman al-Bassar, hat nun, nachdem das Militär mit seinem Latein am Ende war, den Kurden verlockende Angebote gemacht: Kurdisch wird Amtssprache im Norden des Landes, die Kurden stellen künftig ihre eigenen Beamten, sie erhalten ihre eigenen Zeitungen, sie werden an der Regierung in Bagdad entsprechend ihrer Bevölkerungszahl mitbeteiligt.

Freilich kommt es darauf an, wie weit die Kurden ihre „nationalen Rechte“ praktisch ausüben dürfer. Auch ist noch unklar, ob die Kurden an den Erdölprofiten teilhaben werden, wie es ihnen 1964 versprochen worden war (ein Teil der Erdöllager liegt in Kurdistan).

Zumindest wird die Regierung in Bagdad noch lange Beweise guten Willens vorzeigen müssen, ehe die Partisanen Barzanis ihre Waffen niederlegen.