Die Eskalation des Vietnam-Krieges geht weiter. Amerikanische Flugzeuge bombardierten Petroleumlager bei Hanoi und Haiphong – in einem Gebiet, das bisher bei den Luftangriffen ausgespart worden war. US-Vizepräsident Humphrey nannte die Bombardierung „ein militärisches Wunder an Präzision“. Verluste unter der Zivilbevölkerung habe es nicht gegeben. Zugleich mit den Angriffen erneuerten die USA ihr Angebot zu Verhandlungen.

Für die Luftangriffe gibt es verschiedene Motive. Die Militärs haben schon lange darauf gedrängt, die Öltanks zu zerstören, um damit den Nachschub für die Truppen in Südvietnam zu treffen. Die Generale halten weitere Angriffe für erforderlich; auch ein Stahlwerk, das Platten für Öltanks und Eisenbahnschienen herstellt, soll ausgeschaltet werden.

US-Präsident Johnson steht außerdem unter dem Druck der öffentlichen Meinung. Bei einigen Vorwahlen wurden Politiker, die sich für eine vorsichtigere Politik in Vietnam oder für einen Rückzug einsetzten, deutlich geschlagen. Die Popularitätskurve Johnsons hat einen Tiefpunk erreicht.

Die Angriffe haben bei manchen Verbündeten der USA Kritik ausgelöst. Der englische Premierminister Wilson distanzierte sich von der Aktion, der italienische Außenminister Fanfani sprach von der Besorgnis, die in Italien herrsche. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS erklärte: „Die Angreifer haben damit zu rechnen, daß Vietnam eine immer größere Unterstützung seitens der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern gewährt wird.“ Peking erklärte, die Luftangriffe auf Nordvietnam haben die Volksrepublik China von „jeder Zurückhaltung in der Hilfeleistung für Vietnam“ entbunden.

In Washington glaubt man indes nicht, daß Rotchina aktiv in den Kampf eingreife. Johnson kündigte an, die Angriffe würden, so lange fortgesetzt, bis sich Hanoi bereit finde, eine Aggression zu beenden und einen „ehrenvollen Frieden“ abzuschließen.