Die "F-F-F"-Korrespondenz (die sich dem Film, Funk und Fernsehen widmet) brachte soeben eine verblüffende Meldung. Danach wird sich bald zeigen, welche Sender noch Schallplatten-Aufnahmen verbreiten und welche nicht. Dies hängt mit dem neuen Urhebergesetz zusammen.

Dieses Gesetz ist bereits Anfang 1966 in der Bundesrepublik und Westberlin in Kraft getreten; jeder, der sich seitdem ein Tonbandgerät angeschafft hat, ist schon damit in Berührung gekommen. Denn er muß seit einiger Zeit beim Kauf desperates eine Gebühr an die Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Autorenrechte (GEMA) entrichten. So will es Teil I des Gesetzes, das die Urheberrechte definiert.

Die Folgen des Teiles II, der sich mit den sogenannten "verwandten Schutzrechten" beschäftigt, wird jedermann noch mehr zu spüren bekommen. Denn neu sind hier Bestimmungen, bei denen es um den Schutz des ausübenden Künstlers geht. Zwar waren die Interpretationen, seien es die eines Karajan oder der Beatles, auch bisher geschützt. Insoweit ist diese Praxis jetzt durch das Gesetz vom sogenannten "Leistungsschutz" nur bestätigt worden. Der Haken sitzt woanders.

Immer, wenn eine Gruppe in der modernen Gesellschaft ihre Interessen besonders gut gewahrt wissen will, wird ein Verein gegründet. In unserem Fall ist es die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, kurz GVL genannt. Und diese Gesellschaft, kaum gegründet, stellt horrende Forderungen. Als erstes geht sie dabei gegen ihre größten Musikkonsumenten vor, und das sind die Rundfunk- und Fernsehanstalten.

Wie bekannt, schöpfen diese Institute ihr musikalisches Programm sowohl aus eigenen Produktionen als auch aus Aufnahmen der Schallplatten-Industrie. Diese Praxis hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt: Der Funk fördert bei seinen eigenen Produktionen die jungen Künstler und nimmt sich der wenig bekannten, aber interessanten musikalischen Kompositionen an; von der Schallplatte bezieht er vornehmlich die Interpretationen der Stars, gleichgültig, ob es sich dabei um klassische Unterhaltungsmusik, um Jazz oder Schlager handelt.

Mit dieser Praxis waren alle Beteiligten bisher zufrieden: der Rundfunk, weil er seinen Hörern ein buntes, aktuelles Programm vorsetzen konnte, die Schallplatten-Industrie, weil der Rundfunk – ob er wollte oder nicht – public relations für ihre Erzeugnisse machte. Aus diesem Grunde verzichtete die Industrie auf das finanzielle Geschäft mit dem Rundfunk; sie bekam lediglich den Herstellungspreis für ihre Magnetophonbänder und Schallplatten. Darüber hinaus hatte der Rundfunk eine sogenannte Sendegebühr in einem jährlichen Pauschalbetrag zu entrichten, durch die den Ansprüchen der Interpreten Genüge getan wurde. Dieser Betrag machte zuletzt 2,5 Millionen Mark aus. Er wurde gemeinsam von den bundesdeutschen Funkanstalten aufgebracht und an die International Federation of Phonographic Industry (IFPI) überwiesen, die anteilig die Beträge an die einzelnen Firmen weiterreichte. (Die GEMA erhält, unabhängig davon, jährlich 80 Millionen DM für Rundfunk-Rechte.)

An dieser Stelle hat jetzt – da am 30. Juni 1966 der Vertrag zwischen Rundfunk und Schallplattenfirmen abgelaufen ist – die GVL eingegriffen. Ihr genügt der bisherige Pauschalbetrag nicht; sie ist auch mit einer hundertprozentigen Erhöhung bei weitem nicht zufrieden. Es geht um Millionenbeträge, bei denen ja die Stellung des Kommas interessant ist.