Da ist dieser Hitler doch offenbar ein rechter, Schwerenöter gewesen, vorausgesetzt, daß alles wahr ist, wasGisela – behauptet. Erinnern wir uns kurz; derOlympischen – Spiele 1936. Die Goldmedaille im Speerwerfen gewann Tilly Fleischer. Sie wurde von Hitler auf den Berghof eingeladen. „Intimes Diner“ – so, „Paris-presse“ in der Ausgabe vom 30. Juni. Und sagte Hitler nicht anschließend zu Tilly folgenden Satz: „Wenn das Kind ein Junge wird, mach’ ich meinen besten Feldmarschall aus ihm!“ Offenbar hat Gisela dies erzählt. Sie war zwar nicht dabei. Aber sie kam später: neun Monate. Kein Junge, sondern ein Mädchen. Und so entstand kein Feldmarschall, sondern ein Mannequin. „Mein Vater Adolf Hitler“, so heißt das Buch mit ihrem Bericht.

Im Vorwort heißt es: „Die Tochter des blutigsten Diktators. aller Zeiten wendet sich an die kommenden Generationen und widmetihnen dieses aufwühlende menschliche Dokument, das von einer Aufrichtigkeit ist, wie sienoch nie von Autorenhistorischer Memoiren erreicht wurde.“

Tilly Fleischer heißt heute Frau Heuser; und den gleichen Namen trägt auch Gisela, die sich als Photo-Modell, speziell als Vorführerin weiblicher Unterwäsche, betätigt. Dieser Beruf scheint keineswegs eine günstige Voraussetzung für Memoiren-Schriftstellerei zu sein; und so war es denn auch ihr Verlobter, Philippe Mervyn, der das „aufwühlende menschliche Dokument“ geschrieben und dem Pariser Verlag „Agence Litteraire Européenne“ verkauft hat. Jetzt aber, da das Buch erscheinen soll, will es das Unglück, daß die Verlobten auseinandergehen. Ein doppeltes Unglück, denn möglicherweise ist es allein der Autor und Ex-Bräutigam, der aus der Schilderung Hitlers olympischer Tat den Gewinn zieht.

Gisela, ihre in Frankfurt am Main wohnende Mutter und deren Gatte haben Einspruch erhoben. Gewichtige Interessen werden geltend gemacht. Soll man denn glauben, was laut „Paris-presse“ gleichfalls der hübschen Gisela als Grund für die Einstweilige Verfügung gegen „Adolf Hitler mon père“ dient? „Legitimer Wunsch einer Tochter, das Andenken ihres Vaters zu verteidigen ...“

Als vor langen Jahren die erste Welle privater und intimer Hitler-Erinnerungen auf uns niederging, waren gottlob bald auch die Satiriker zur Stelle. Einer schrieb: „Ich war Hitlers Zahnbürste“, ein anderer: „Ich war Hitlers Schäferhund.“ Fehlte gerade noch, daß wir jetzt auch bei uns lesen müßten: „Ich bin Hitlers Tochter.“

Nun, – letzte Meldung: Auf Antrag der entsetzten Eltern hat ein Richter diese seltsamen Memoiren beschlagnahmen lassen.