Die Konjunktur der Weltschiffahrt war 1965 gut. An den Getreideverschiffungen von Australien und dem amerikanischen Kontinent nach Asien und Ländern des Ostblocks und an dem Krieg in Vietnam haben direkt oder indirekt viele Reeder gut verdient.

Die Hamburg-Amerika Linie (Hapag) hat von der günstigen Konjunktur profitiert. Der Vorstand schlägt sogar vor, eine um zwei auf acht Prozent erhöhte Dividende zu verteilen. Diese erfreuliche Nachricht bedeutet aber nicht, daß diese Dividende – nachdem man fünfmal nur sechs Prozent gezahlt hatte – nun zur Standarddividende der nächsten Jahre wird, betonte Vorstandsmitglied Dr. Katzenstein. Aktionäre, die in guten Jahren angemessen am Gewinn beteiligt werden, müssen in schlechteren Jahren aber mit weniger zufrieden sein. Im Grunde gilt das berühmte Wort immer noch: „Aufgabe der Hapag ist es, Schiffahrt zu betreiben und nicht, Dividenden zu zahlen.“

Schiffahrt zu betreiben, dazu ist die Verwaltung fest entschlossen. Der Ostasien-Dienst wird ausgebaut und der Westindiendienst modernisiert. Im vergangenen Herbst wurden zehn Schiffe in Auftrag gegeben. Geliefert werden sie 1967. Insgesamt hat die Hapag zur Zeit 17 Einheiten in Bau. Die Anschaffungskosten betragen 293 Millionen Mark. Obwohl ein Teil davon aus verdienten Abschreibungen gedeckt werden kann und Bundeszuschüsse gewährt werden, ist die Finanzierung eine schwierige Aufgabe.

Die Hapag hat 1965 bereits ihre kurzfristige Verschuldung verdoppelt, um die Anzahlungen zwischenfinanzieren zu können. Dr. Katzenstein ließ keinen Zweifel daran, daß eine Umschuldung in langfristige Mittel notwendig werden wird. Am zweckmäßigsten wäre naturgemäß eine echte Kapitalerhöhung. Aber dazu wird sich die Deutsche Bank als Großaktionär angesichts der knappen Mittel kaum durchringen können, glp