Im Schlaf herrscht Aufruhr im Nervensystem

Babys träumen bereits wochenlang vor ihrer Geburt im Mutterleib. Träume irgendeiner Art sorgen schon beim Embryo dafür, daß sich das noch unreife Gehirn schnell genug entwickelt und auf den unmittelbar nach der Geburt einsetzenden Ansturm der äußeren Sinneseindrücke vorbereitet wird. Der Traum ist ein lebenswichtiges Konditionstraining für das Nervensystem.

Dies ist das überraschende Ergebnis, das jetzt drei amerikanische Traumforscher, Professor William C. Dement von der Stanford Universität, Dr. Howard P. Roffwarg von der Columbia Universität, New York, und Joseph N. Muzio vom New York State Psychiatrie Institute in der Zeitschrift „Science“ bekannt gaben.

Paradoxerweise hatten die drei Wissenschaftler zunächst beabsichtigt, das Gegenteil ihrer späteren Entdeckung zu beweisen: Sie meinten, ein Traum müsse zwangsläufig von der Fähigkeit des Sehens und von einem Bild-Gedächtnis abhängig sein. Da sich im Kinde beides erst langsam entwickelt, wollten sie verschiedene Altersgruppen untersuchen, um festzustellen, wann der Mensch zum erstenmal träumt.

Verräterische Augenbewegung

Wie kann man überhaupt ergründen, ob Kleinkinder, die sich noch nicht mitteilen können, träumen?

Man beobachtet die Augäpfel unter dem geschlossenen Lid und die elektronische Hirntätigkeit. Schon vor einigen Jahren fand Professor Dement bei Erwachsenen heraus: Immer, wenn der Mensch träumt, bewegen sich die Augen blitzschnell hin und her. Es ist, als säße der Schlafende auf der vordersten Reihe eines Breitwandkinos und blicke durch die Lider fieberhaft umher, um das ganze Geschehen in sich aufzunehmen.