Der Stoßseufzer der Verwaltung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG ist unüberhörbar. „Wir sind entfesselt“, hieß es in der Pressekonferenz des Essener Konzerns, der sich endlich von der erdrückenden Umklammerung des amerikanischen Ölgiganten Socony Mobil Oil befreien konnte. Der bis in das Jahr 2004 reichende Vertrag, der den größten deutschen Energiekonzern an die zu teuren Rohöllieferungen der Amerikaner bindet, ist hinfällig; neue Übereinkünfte sind ausgehandelt worden, deren Inhalt – allerdings nur, soweit er sich der Beurteilung erschließt – in der Tat geeignet erscheint, das große Aufatmen zu begründen. Der Preis, der in Essen nun abschließend für die Neuregelung der Partnerschaft mit der Mobil Oil zu zahlen ist, wird als durchaus tragbar und angemessen bezeichnet.

Mobil Oil wird – vor allem auf Kosten der GBAG – an der Aral-AG beteiligt werden. Auch die anderen Aral-Partner, die mit ihrem – begründeten – Veto diese Lösung so lange blockiert hatten, haben jetzt zugestimmt. Mit jeweil 28 Prozent der Aral-Aktien werden künftig die Mobil Oil, die GBAG und die Hibernia gleich hohe Beteiligungsquoten besitzen; Wintershall hält rund 13 Prozent und die restlichen geringen Anteile liegen gestreut bei den Unternehmen des Ruhrbergbaus, die von der Gruppe der früheren sogenannten „Benzoler“ noch übriggeblieben sind. Um eine amerikanische Bevormundung in den neuen Aral-Klub zu vermeiden, haben sich die keineswegs aus echter Zuneigung zueinandergekommenen Partner – die nun gemeinsam das größte europäische Tankstellennetz kontrollieren werden – offenbar durch bindende Abmachungen gesichert. Für die Übertragung von Aral-Anteilen auf andere Aktionäre ist weiterhin wie bisher die Zustimmung aller Partner erforderlich; damit scheint es sichergestellt zu sein, daß die gute Zweidrittelmehrheit der deutschen Anteilseigner nicht eines Tages verlorengeht. Das gilt natürlich nur so lange, wie auch die Aktionäre der Aral-AG deutsche Gesellschaften bleiben! GBAG-Chef Hans Dütting betonte in der Pressekonferenz, daß die Mobil Oil zugesagt habe, sie werde weder bemüht sein, beispielsweise die GBAG aufzukaufen noch ihre jetzt erreichten Aral-Anteile zu vermehren. Aber – so schränkte Dütting selbst ein – „das sind Zusagen, die heute gelten; und kein Mensch weiß, was vielleicht in 10 Jahren möglich ist...“

Vorerst aber herrscht die Erleichterung vor. Immerhin war die Mobil Oil auch bereit, den GBAG-Anteil an den Ölfunden in Libyen von bisher 25 auf 35 Prozent zu erhöhen. Bereits 1966 wird damit der Essener Konzern rund 45 Prozent seines Rohölbedarfs aus eigenen Quellen decken können. Das ist – wenn es weiterhin gilt, daß der Einsatz eigenen, nur mit den Selbstkosten belasteten Rohöls ein echtes Geschäft ist – ein großer Schritt nach vorn. Auch für das weiterhin von Socony zu beziehende Rohöl sind nach den Worten von Vorstandsvorsitzer Dütting Preise vereinbart worden, die „sehr günstig sind“. Außerdem sei die GBAG nicht mehr verpflichtet, ihr Rohöl ausschließlich bei Mobil Oil zu kaufen.

Eine wesentliche Neuerung ergibt sich nach den neuen Vereinbarungen auch für das Stammwerk der Gelsenkirchener Benzin AG in Gelsenkirchen-Horst, das wieder auf eigene Rechnung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG betrieben werden soll, genau wie die wesentlich kleinere Mobil-Raffinerie in Bremen, die ebenfalls aus der bisherigen Zuammenarbeit entlassen und wieder ganz in die Regie der Mobil Oil zurückkommen wird.

Ohne große Traurigkeit hat sich der Essener Konzern von seiner – erst in diesem Jahr stark ausgerundeten – Schachtel an den Chemischen Werken Hüls getrennt. Das war der Preis, der für die Zustimmung der Hibernia zu der Aral-Lösung gezahlt werden mußte, denn die Hibernia, die das Hüls-Paket am 8. Juli übernehmen wird, rundet damit ihren Einfluß auf 50 Prozent des Hüls-Kapitals auf. Dieses Engagement sei eigentlich für das Essener Zebra kein Opfer gewesen, hieß es in der Pressekonferenz; denn „die Hibernia ist ja viel stärker in der Chemie engagiert als wir.“ nmn