G. Z., Frankfurt/Main

Es geschah zu der Zeit des gesamtdeutschen Frühlingserwachens. Zwischen der SED und der SPD wechselte man Briefe, in der Englischen Kirche in Bad Homburg diskutierten Freie Demokraten mit Liberalen aus der DDR (LDP) über die Probleme des geteilten Deutschlands. In der Hochstimmung jener Tage formulierte die FDP-Stadtverordnetenfraktion der Spielkasinostadt eine Anfrage, was der Magistrat, davon halte, Kontakte zu einer Stadt, in Mitteldeutschland aufzunehmen. Schließlich habe Bad Homburg Partnerschaften mit Gemeinden in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Luxemburg und England – warum nicht auch Partnerschaft mit einer Gemeinde in der DDR?

Die Anfrage kam nicht aus heiterem Himmel. Die Position in der Deutschlandpolitik wird bei der Bad Homburger FDP weitgehend von der Avantgarde der Jungdemokraten bestimmt. Sie wollten die günstige Gelegenheit der in Bewegung geratenen großen Politik dazu benutzen, im kleinen die schwarz-rote Rathausregierung in Bewegung zu setzen.

Hinzu kam ein lokaler Anlaß. Man hatte sich darüber geärgert, wie das Ensemble des Dresdener Staatstheaters, das im Frühjahr in Bad Homburg mit Maxim Gorkis „Feinde“ gastierte, behandelt worden war. „Erst als der CDU-Oberbürgermeister Klein davon erfuhr, daß Homburger Bürger Geld sammelten, um von sich aus den Gästen aus Sachsen einen Empfang zu geben, wurde er selbst aktiv“, wissen liberale Stadtchronisten zu berichten. Bis dahin habe sich der Bürgermeister hartnäckig geweigert, von dem die Schauspielertruppe begleitenden Dresdener Stadtrat Notiz zu nehmen.

Die Antwort des Magistrats auf die Patenschaftsanfrage war negativ. Als Kronzeugen wurden der Minister für gesamtdeutsche Fragen, Vizekanzler und FDP-Vorsitzender Dr. Erich Mende, aufgeboten, der Deutsche Städtetag und schließlich das Hessische Innenministerium. Alle drei – vom Bad Homburger Magistrat um Rat gebeten – äußerten Bedenken gegen innerdeutsche Städtepartnerschaften. Der gesamtdeutsche Minister befürwortete menschliche Begegnungen, wo nur irgend möglich, hielt jedoch Partnerschaften für nicht opportun. Der Deutsche Städtetag sprach nur von einem „ungewöhnlichen Schritt“, wenn sich Bad Homburg zu einer solchen Initiative entschließen würde. Das hessische Innenministerium hingegen verwies die Kurgemeinde an das Auswärtige Amt in Bonn.

„Die Antwort aus Wiesbaden macht deutlich, daß die ganze Angelegenheit vom Magistrat auf das falsche Gleis geschoben worden ist“, sagen die Freien Demokraten. „Wir hatten uris nicht um jeden Preis auf den Begriff „Partnerschaft“ festgelegt; wir wollten vielmehr erreichen, daß der Magistrat grundsätzlich prüft, welche Möglichkeiten bestehen, mit mitteldeutschen Städten in Verbindung zu kommen, nachdem wir in Europa so fleißig die Gemeindepartnerschaft pflegen.“

Die Freien Demokraten mahnen im übrigen selbst zur Vorsicht. Der Kreisvorsitzende der Partei meint: „Partnerschaften wurden bisher nur mit ausländischen Städten geschlossen; Partnerschaft‘ mit einer mitteldeutschen Stadt könnte den Eindruck erwecken, wir betrachten das Gebiet jenseits der Elbe als Ausland.“

In der Bad Homburger Öffentlichkeit gehen die Meinungen über die gescheiterte FDP-Initiative von der Teilnahmslosigkeit „hat ja doch alles keinen Zweck“ bis zu dem Vorschlag, ein Bürgerkomitee zu gründen, um partnerschaftliche Verbindungen „unterhalb der Schwelle der staatlichen Anerkennung der DDR“ aufzunehmen.