In der Bremer Kongreßhalle, dem Betongrab bremischer Haushaltsmillionen, wetterte Bauarbeiterführer. Georg. Leber. vor dem Gewerkschaftstag der IG Bau-Steine-Erden: „Nach der Finanzmisere der Haushaltsjahre 1965 und 1966 gab es wiederum kein anderes Rezept als die vorschnelle Kürzung der Öffentlichen Bauaufträge und die Streichung der Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau.“

Wie sein Konterpart, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie befürchtet Leber, nach Jahren der Hochkonjunktur „in das kalte Wasser der Unterkonjunktur“ zu stürzen. Und beide fürchten, daß es im Herbst dieses Jahres oder spätestens im nächsten Jahr in der Bauwirtschaft erstmals wieder Kündigungsbriefe der Unternehmer geben wird.

So erntete Leber denn auch den Beifall der nachdenklich dreinblickenden Kongreßteilnehmer, als er warnend ausrief: „Den Teufel der schleichenden Inflation mit dem Beelzebub der Arbeitslosigkeit auszutreiben, wäre keine verantwortungsbewußte Politik mehr.“

Den Baumarkt trifft es hart, daß Bundesbankpräsident Blessing das Kapital knapp und den Zins hoch hält. Doch gerade der Baumarkt war es auch, der mit einer Steigerung der Baupreise von 100 auf 215 Prozent in den 15 Jahren von 1950 bis 1965 den allgemeinen Preisauftrieb mit angeheizt hat. Steht nun die Wende bevor?

„In diesem Jahr werden vielleicht noch 570 000 Wohnungen fertiggestellt. Wenn nichts geschieht, werden es nächstes Jahr aber schon nicht einmal mehr 450 000 sein und 1968 sogar weniger als 300 000.“ Der das besorgt sagt, gehört nicht zu den professionellen Schwarzsehern Claus Winter, der sich mit dem Aufbau des Instituts für Städtebau und Bausparwesen einen Namen gemacht hat, warnte vielmehr bis vor kurzem noch immer vor der Rekordsucht im Wohnungsbau, die bei einem Umschwung vom Verkäufer- zum Käufermarkt für viele Unternehmen ein bitteres Erwachen bringen würde. Ihm scheint dieser Tag gekommen.

Der gewaltige Nachholbedarf an Wohnungen hat in all den Nachkriegsjahren die Konjunktur im Hochbau angeheizt. Jedes zweite Haus, das im letzten Jahr gebaut wurde, war ein Wohnhaus, nur jede dritte Baugrube wurde für einen gewerblichen Bau ausgehoben, in den Rest teilten sich die öffentliche Hand und die Landwirtschaft. Am Hochbau-Umsatz der Bauwirtschaft sind die Bauern nur mit 3 Prozent, die öffentliche Hand mit 15 Prozent beteiligt.

Von der harten Kreditpolitik und der Einschränkung der Subventionen wird der Wohnungsbau hart betroffen. Was für den freien Wohnungsbau die Verteuerung der Hypotheken bedeutet, haben die gewerkschaftlichen Betriebswirtschaftler ausgerechnet: Eine Erhöhung des langfristigen Zinssatzes um ein Prozent belastet die Kostenmiete in dem gleichen Ausmaß wie eine Baupreissteigerung von 8. Prozent. Und die öffentlichen Darlehen fließen nur noch in Nordrhein-Westfalen und in Bayern reichlicher – offensichtlich wegen der bevorstehenden Landtagswahlen.