Thilo von Uslar: „Der ehrenwerte Karmasin“, ZEIT Nr. 26

Dank Herrn von Uslar, daß er sich die Mühe mit „unserem Karmasin“ gemacht hat. Er ist „leider“ nur einer von vielen und man muß annehmen, daß es Dutzende von Karmasins unter uns gibt. Nicht alle haben es wie Dr. Walter Becher bis in die Reihen der Regierungspartei im Bundestag gebracht. Mancher sitzt an anderen Schalthebeln. Das Rezept: Untertauchen und mit falschem Namen über Österreich nach Bayern befolgten viele. Der Kulturgauleiter Henleins, ein Dr. Franz Höller zum Beispiel, verbarg sich unter falschem Namen lange Zeit in Kapfingers „Passauer Neuen Presse“. Sein Prager Kollege, der SS-Obersturmführer von Wolfram tauchte unter falschem Namen in Österreich unter, wo ihm ein Salzburger Verlag Unterschlupf gewährte, bis er mit offenen Armen von der Düsseldorfer FDP aufgenommen wurde. So sind die „hochanständigen und rechtschaffenen Man-, ner“ alle wieder beisammen und nicht einmal Wenzel Jaksch schämt sich dieser Gesellschaft.

Jens Klövekorn, Winsen

Der polemische Artikel enthält eine ganze Reihe von Unwahrheiten, darunter die nachstehenden: „Ein Vorstandsmitglied, Dr. Franz Ohmann, war bis zum März dieses Jahres Amtsrichter in Hessen.“ Richtig ist: Ich war auch im April, Mai und Juni dieses Jahres Amtsrichter in Hessen.

„Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Gestapo-Mitarbeiter vor, in Prag die Personalbogen von inhaftierten Juden und Antifaschisten mit dem Vermerk ‚Rückkehr unerwünscht‘ versehen zu haben.“ Richtig ist: Keine Staatsanwaltschaft wirft mir das vor.

Behauptet wurde es im Januar 1966 von dem tschechischen Kommunisten Klecka vom Justizministerium in Prag gegenüber dem Ersten Staatsanwalt Rückerl und dem Gerichtsassessor Sonnet von der Zentralstelle in Ludwigsburg. Behauptet wurde es ferner in dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

In einem Schreiben eines politisch nicht sehr bedeutenden, aber auch nicht ganz unbedeutenden Bundesbürgers, dessen Namen vorerst nicht zu nennen ich mich verbunden habe, an den Rechtsanwalt Karl Simon in Bonn, vom 25. 5. 1966, heißt es insoweit: „...habe ich anläßlich des Ausflugs nach Prag (13. bis 15. Mai 1966) Gelegenheit genommen, in Prag die Dokumente einzusehen, die angeblich den Gegenstand eines Strafermittlungsverfahrens gegen das Bundesvorstandsmitglied Dr. Ohmann bilden. Wunschgemäß habe ich mich dabei vor allem darum bemüht, Klarheit über den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe zu erhalten, die das Nachrichtenmagazin Der Spiegel vom 2. 5. 1966 erhoben hat. Anhand der mir bereitwillig vorgelegten Dokumente konnte ich mich davon überzeugen, daß keines der Papiere an irgendeiner Stelle den Vermerk „RU“ trug. Von meinem Gesprächspartner wurde mir auf besonderen Vorhalt vielmehr ausdrücklich versichert und bestätigt, daß ein solcher Vermerk in den Personalakten der KZ-Opfer nicht enthalten und daß tschechoslowakischerseits ein derartiger Vorwurf gegen Dr. Ohmann, wie ihn Der Spiegel erhebt, nicht erhoben worden sei.“