„Tito, Kardelj, Rankovic i Djilas“ – das alte Partisanenlied wird nun endgültig aus dem jugoslawischen Liederrepertoire verschwinden müssen. Der Rechtsabweichler Milovan Djilas, seit zwölf Jahren in Ungnade, sitzt noch immer im Zuchthaus von Sremska Milrovica. Der Linksabweichler Aleksandar Rankovic folgte ihm jetzt in die Verbannung: Am vergangenen Freitag mußte er unfreiwillig-freiwillig das Amt des Vizepräsidenten niederlegen. Gleichzeitig wurde Innenminister und Staatssicherheitschef Svetislav. Stefanovic abgesetzt, seiner Parteifunktionen enthoben und aus der Partei ausgeschlossen.

Vor den 155 Mitgliedern des Zentralkomitees begründete Marschall Tito die Säuberung. Der Hauptvorwurf Rankovic und Stefanovic hätten sich der Geheimpolizei Udba bedient, um die liberalen Reformen zu bremsen und die Macht im Staate an sich zu reißen. Die „Entartung“ der Sicherheitsorgane habe „unglaubliche Dimensionen“ angenommen. Das Volk habe zu Recht gefragt: „Ist es nicht schon wieder ein wenig wie damals bei Stalin?“

Ein Untersuchungsausschuß bejahte diese Frage. Sein Abschlußbericht, den die jugoslawische Presse veröffentlichte, enthielt folgende Anschuldigungen:

  • Die Sicherheitsdienste seien von wenigen Männern monopolisiert worden.
  • Einzelne Funktionäre hätten die Polizei als Instrument benutzt, um die Ausführung bindender Beschlüsse zu hintertreiben.
  • Die Geheimpolizei habe sich „moderner Techniken“ bedient, um hohe Regierungsbeamte und Parteifunktionäre zu überwachen – besonders die treibenden Kräfte der Reform. Nicht einmal Tito wurde verschont: In sein Schlafzimmer waren Abhörgeräte eingebaut worden.

Tito hatte schon im Februar gegen die dogmatische Opposition gewettert. Aber er griff nicht durch, weil er die Konsequenzen fürchtete. Am vorigen Freitag entschuldigte er sich: „Wenn ich euch, Genossen, heute so einmütig sehe, dann bedaure ich, daß ich derlei Maßnahmen nicht eher ergriffen habe ... Wie ihr seht, haben wir ziemlich spät zugeschlagen, aber nicht zu spät.“

Rankovic räumte ein, daß eine „parteifeindliche Gruppe entarteter Leute“ existiert habe, doch bekannte er sich nur moralisch schuldig – er habe bloß seine Aufsichtspflicht verletzt. Seine Ausführungen überzeugten die Kritiker jedoch nicht. Tito kam seinem alten Waffengefährten schließlich zu Hilfe: „Ich verlange nichts weiter von ihm. Er kann uns auch in Zukunft helfen und sich jederzeit zu Wort melden.“

Inzwischen hat im Staatssicherheitsdienst eine gründliche Säuberung eingesetzt. Die unkontrollierte Macht der Geheimpolizei soll zerschlagen werden. Allerdings: Anders als bei der Liquidierung Berijas und seines Apparates geht es ohne Genickschüsse ab. Wie Tito sagte: „Wir haben der Mitwelt zu beweisen, daß wir große Probleme lösen können, die andere Staaten manchmal in den Grundfesten erschüttern – und daß wir sie in einer humanen Weise zu lösen verstehen.“