U. W., Bonn

Das Sommerfest der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ist berühmt. Zum Abschluß des dies academicus feiern Studenten und Bürger gemeinsam auf den Wiesen und auf dem universitätseigenen – sonst dem Straßenverkehr vorbehaltenen – Kaiserplatz. Meist tanzen dort zehn- oder elftausend Menschen. Diesmal aber fand der Spaß ein häßliches Ende. In den frühen Morgenstunden des vergangenen Donnerstag stießen dort Feuerwehr, Polizei und Studenten zusammen. Oberbürgermeister und Rektor überlegen sich – über die Vorfälle nur aus dem Polizeibericht informiert –, ob das Fest wieder stattfinden soll.

Gegen drei Uhr hatten sich die letzten Studenten, Gammler und einige Bonner Bürger um kleine Feuer geschaart, die auf der Universitätswiese aus aufgelesenen Hölzern angefacht worden waren. Es waren dreihundert; sie sangen jüdische, deutsche, amerikanische Volkslieder. Ab und zu sprang einer über die Flammen. Es war ruhig. Doch plötzlich erschienen ein Löschwagen und eine Polizeistreife auf der Szene. Der Hausmeister hatte sie gerufen. Das Schloß sei in Gefahr gewesen, ließ der Rektor später verlauten. Laut Polizeibericht wehrten die „randalierenden“ Studenten die Feuerwehrleute ab. Tatsächlich reichte der Schlauch nicht aus, er wurde verlängert; ein Student öffnete den Schnapp Verschluß. Er wurde wieder geschlossen und von einem Feuerwehrmann bewacht. Anstatt nun aber das „gefährliche“ Feuer zu löschen, drehte der Hauptmann („1938 waren wir auch da, als die Synagogen brannten – zum Löschen“!) seine Spritze gegen die Studenten.

Einige Studenten drängelten sich um den Feuerwehrmann und schrien. Die beiden Polizisten wollten die Dreihundert zurückdrängen. Ohne Grund packte plötzlich einer der Wachtmänner einen Studenten und wollte ihn verhaften. Als der sich aus dem Staube machte, griff der Polizist nach seinem Gummiknüppel. Die Studenten fielen ihm in den Arm. Der zweite Beamte zückte ebenfalls seinen Schlagstock. Quer über den Rasen begann die Jagd, die beiden Polizisten und hundert Studenten rannten hinter den Flüchtenden her. Sie schrien „Nazis“, „Schläger“, „Schwabing“. Ein AStA-Vertreter beruhigte seine Kommilitonen, Sie wollten schon gehen, als acht weitere Polizisten auftraten. Nun brach das Tohuwabohu los. Studenten, die erklären wollten, sie seien naßgespritzt worden, wurden geschlagen; selbst der AStA-Vertreter, der mit den Polizisten reden wollte, wäre beinahe verprügelt worden. Ein Student, der besonders laut geschrien hatte, sollte verhaftet werden; er rannte weg, verfolgt von Polizisten. Ein anderer erhielt einen Faustschlag in den Magen.

Ein Mädchen, das sich heftig wehrte und weinte, und ein Student wurden abgeführt. Sie hatten nur berichten wollen, daß die Feuerwehr schuld sei. Einige Studenten traten vor dem Polizeiwagen in Sitzstreik. Die Fahrer aber drehten das Blaulicht an und gaben Gas. Beinahe wären die Streikenden überfahren worden.

Eine halbe Stunde später glimmten wieder die Feuer; die Studenten sangen weiter. Und wieder kamen Polizei und Feuerwehr. Die Beamten setzten sich Gasmasken auf, riefen etwas durch das Megaphon, das nicht eingeschaltet war, und zündeten sieben Tränengasbomben. Fixe Studenten fingen sie auf und warfen sie zurück. Feuerwehrleute und Polizisten kletterten in ihre Wagen und fuhren ab. Ein Student sang zum Schluß „We shall overcome“. Im Polizeibericht tags darauf war zu lesen: Die Studenten hätten Laternenmaste angezündet.