Von Elisabeth von PJessen

In einem sind sich Professoren- und Studentenschaft der Freien Universität Berlin einig: Sie sehen die Gefährdung des Wahlspruchs, dem ihre Universität verpflichtet ist: Veritas – Justitia – Libertas. Das bewiesen die Ereignisse der letzten Wochen. Befristete Zulassung und Zwangsexmatrikulation, welche bis jetzt nur an der Juristischen und Medizinischen Fakultät beschlossene Sache sind, brachten den Stein ins Rollen. Auf der Immatrikulationsfeier am 18. Juni warf Rektor Lieber dem Vorsitzenden des Allgemeinen Studentenausschusses, Knut Nevermann, Halb- und Unwahrheiten in seiner Rede vor. Die Rede hatte dem Rektorat wie üblich vor der Feier vorgelegen. Sie war der Anlaß, daß die professoralen Mitglieder des Akademischen Senats der Feierlichkeit fernblieben, ohne vorher die studentischen Mitglieder über diesen Schritt informiert zu haben, und daß Rektor Lieber, statt mit rotem Talar, im Straßenanzug erschien.

Nevermann brach mit den „Feiern, die verschleiern“: der Fall Kuby, der Fall Krippendorf, Richtlinienstreit vom Februar 1966, die Debatten über Zwangsexmatrikulation und befristete Zulassung und andere Auseinandersetzungen zwischen Universität und Studentenschaft waren sein Thema.

Als Rektor Lieber die Darstellung als gezielt polemisch und wenig objektiv abtat, verließen die Studentenvertreter das Auditorium Maximum. Ihrem demonstrativen Auszug folgte der demonstrative Einzug dreier professoraler Senatsmitglieder, unter ihnen Professor Bettermann, Zulassungsdozent der Juristischen Fakultät.

Am 20. Juni lehnte dann das Verwaltungsgericht Berlin den Antrag des AStA ab, die notwendigen Räume zur Durchführung einer Urabstimmung über die befristete Zulassung und Zwangsexmatrikulation zur Verfügung zu stellen. Mit dem Vertreter des Rektors, Professor Bettermann, teilte das Verwaltungsgericht den Standpunkt, eine Urabstimmung erscheine laut Satzung der Studentenschaft allein in Sachen der Selbstverwaltung gerechtfertigt, die Zwangsexmatrikulation sei jedoch eine Frage der Mitverwaltung. Der AStA nennt dies eine „rein formalistische Argumentation“.

Eine Vollversammlung aller Fakultäten am 21. Juni beschloß, Professor Bettermann solle sein Amt als Zulassungsdozent der Juristischen Fakultät zur Verfügung stellen, der Rektor habe seine gegen den AStA-Vorsitzenden erhobenen Vorwürfe öffentlich zu beweisen oder diese Anschuldigungen öffentlich zurückzunehmen. Die Studenten appellierten an die Parteien, welche die Freie Universität mitbegründet hatten, zur Lage Stellung zu nehmen. Eine Demonstration vor dem Henry-Ford-Bau wurde einberufen, wo am nächsten Tag der Akademische Senat beraten sollte.

Da die Urabstimmung verboten war, wurden Unterschriften gegen die Einführung der Zwangsexmatrikulation an der FU und die Vorenthaltung des akademischen Bürgerrechts auf demokratische Willensbildung gesammelt, außerdem wurde eine, wie man sich ausdrückte, umfassende Universitäts- und Studienreform an Stelle nur einseitig gegen die Studierenden gerichteter Verwaltungsmaßnahmen verlangt.