Das Wahlergebnis von Nordrhein-Westfalen hatte auf die Börsentendenz keinen Einfluß. Ausschlaggebend blieb die in der Bundesrepublik herrschende Knappheit an Geld und Kapital. Die Kreditinstitute sind bemüht, sich für die kommenden Wochen und Monate mit liquiden Mitteln einzudecken, um allen Eventualitäten begegnen zu können. Deshalb müssen sie die Börse sich selbst überlassen.

Glücklicherweise sind aus dem privaten Bereich Geldbeschaffungsverkäufe größeren Stils bislang ausgeblieben. Niemand mag bei den heute so unattraktiven Aktien- und Rentenkursen Verkaufsaufträge erteilen. In der Mehrzahl der Fälle würden dann die Kursverluste, die heute nur auf dem Papier stehen, realisiert werden. Deshalb hat die bescheidene Anlagebereitschaft des Publikums in den letzten Tagen ausgereicht, um einen größeren Kursverfall zu verhindern. Dieser Zustand der relativen Stabilität darf indessen nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kurse zahlreicher Standardaktien gerade jetzt einen neuen Tiefstand erreichten. Die Hausse-Gewinne vom 1. Juli sind also fast überall wieder aufgezehrt worden.

Wie unergiebig der Markt heute ist, zeigt sich bei jeder Kapitalerhöhung. Auch wenn Aktien zu pari angeboten werden, führen sie bei den alten Aktien zu einem harten Kursdruck, wie wir im Falle der Deutschen und der Dresdner Bank gesehen haben. Dabei machten die inländischen Aktionäre weitgehend von ihren Bezugsrechten Gebrauch. Doch das aus dem Ausland kommende Angebot war eben nicht ohne weiteres zu placieren. Besonders heftig unter der Kapitalerhöhung leiden die Karstadt-Aktien. Obwohl die jungen Aktien des Volkswagenwerks erst zum Jahresende zum Verkauf gestellt werden, liegen diese Papiere aus Furcht vor einem Überangebot schon jetzt merklich schwächer als andere Automobilaktien. Der Ausgabekurs von 225 Prozent bereitet beträchtliches Unbehagen. Dies um so mehr, als man sich angesichts gewisser Moll-Töne auf der VW-Hauptversammlung Sorgen darüber zu machen beginnt, ob es dem Unternehmen gelingen wird, die hohen Produktionszahlen weiterhin durchzuhalten. K. W.