Zum Sechzigsten von Joseph Caspar Witsch

Von dem ersten Buch, das J. C. Witsch verlegt hat, ließ er fünftausend Exemplare drucken. Das war 1948. Zweitausend Exemplare dieses Buches mußte er verramschen. Der Autor des Werkes: Franz Kafka. Der Titel: „Beim Bau der chinesischen Mauer.“ Der Preis: DM 7,20.

Heute, achtzehn Jahre später, ist der Verlag Kiepenheuer & Witsch „renommiert“. Witsch, hat Heinrich Heines Schriften zum erstenmal nach dem Krieg verlegt, er leistete sich eine Gesamtausgabe von René Schickele, sein Hausautor ist Heinrich Böll, und zu den Autoren des Verlages gehören Else Lasker-Schüler und Brendan Behan ebenso wie Jürgen Rühle, Dieter Wellershoff und Günter Herburger; Max Bense und Gerhard F. Hering ebenso wie Jean Giono und Marek Hlasko.

Es gilt, dem Chef dieses Hauses zu gratulieren. Wie fängt man das an? Soll man dem Joseph Caspar Witsch bescheinigen, daß er beileibe nicht ausschaut wie ein Sechziger? Daß er mit Kenner- und mit Leidenschaft antike griechische Münzen sammelt? Daß er allabendlich seinen Garten hegt, pflegt, jätet und mit dem Fleiße und dem Wissen eines staatlich geprüften Gärtners bearbeitet?

Der Joseph Caspar Witsch ist schließlich kein Hobbyist. Und also läßt sich die Laudatio so nicht beginnen.

Wie also? Er wurde am 17. Juli 1906 in Köln geboren, studierte Philosophie, Soziologie, Geschichte und Literatur, promovierte 1935 zum Dr. phil., war zunächst Bibliothekar in Köln, dann in Stralsund, wurde Bibliotheksdirektor in Jena; er gründete – 1947 – zusammen mit Gustav Kiepenheuer seinen Verlag, und er hat heute in einer Villa in Köln-Marienburg sein Verlagshaus, in dem an den Türen der Lektoren, der Sekretärinnen oder des Herstellungsleiters keine Namensschilder stehen, weil ohnehin jeder weiß, in welchem Zimmer (und nicht „Büro“) die Carola Stern oder der Wellershoff sitzen, und die Pförtnerloge dieser Villa (und nicht „Verlagshaus“), ist zumeist leer, weil der Besucher ein Autor, ein Verlagsvertreter oder ein Duzfreund von J. C. Witsch ist und natürlich selber weiß, daß er auf dem ersten Stock an die letzte Zimmertür links anzuklopfen hat. (Meistens muß er allerdings warten. Denn „der Witsch“ erzählt gern, er kann sogar zuhören, er führt Gespräche und keine Verhandlungen, und wenn er das Buch eines Autors verlegt hat, dann ist dieser Autor sein Autor. Und seine Autoren sind stets und ständig gute Autoren. Warum? Witsch würde antworten: „Weil sie in meinem Verlag erschienen sind.“)

Läßt sich die Laudatio so beginnnen? Wohl kaum. Denn der Dr. J. C. Witsch ist schließlich ein Verleger, und also könnte man vielleicht beginnen mit der Behauptung: „Er ist ein guter Verleger, weil...“