In seiner Geburtsstadt, die heute so stolz auf ihn ist und sich gewissermaßen als seine Stadt bezeichnet, hatte er kein Glück. Man ließ ihn nicht zum Zuge kommen, jedenfalls nicht so, wie er selber es gewünscht hätte. Und als sein Landesherr ihm ein Urlaubsgesuch ablehnte, nahm er das zum Anlaß, die Stadt zu verlassen und auf Reisen zu gehen. Er war 22 Jahre alt, und seine Mutter begleitete ihn.

Der Vater, der ihn auf früheren Reisen begleitet und mit ihm so große Pläne hatte, blieb daheim, gab aber seine Ratschläge und Anweisungen brieflich. Er dirigierte den Sohn nach Paris.

Aber statt des erhofften Glücks traf dort den Sohn – und zugleich den Vater – ein schwerer Schicksalsschlag: Die Mutter wurde ganz unerwartet krank und starb.

Als der Sohn ihren Sarg zu einem der drei zu St. Eustache gehörenden Friedhöfe begleitete (er allein und ein Bekannter), da hatte er dem Vater ihren Tod noch gar nicht mitzuteilen gewagt; lediglich daß sie krank sei hatte er – unmittelbar nach ihrem Tode – dem Vater berichtet. Einem Freund aber hätte er die Wahrheit geschrieben, mit der Bitte, den Vater behutsam auf sie vorzubereiten:

„Trauern Sie mit mir, mein Freund! – Dies war der traurigste Tag in meinem Leben. – Dies schreibe ich um 2 Uhr nachts. – Ich muß es Ihnen doch sagen, meine Mutter, meine liebe Mutter ist nicht mehr! – Gott hat sie zu sich berufen. – Er wollte sie haben, das sah ich klar.

Ich bitte Sie unterdessen um nichts als um das Freund-Stück, daß Sie meinen armen Vater ganz sachte zu dieser traurigen Nachricht bereiten. – Ich habe ihm mit der nämlichen Post geschrieben, aber nur, daß sie schwer krank ist...“

Erst sechs Tage später teilte er auch dem Vater die Wahrheit mit, wobei er für den „kleinen und sehr notwendigen Betrug“ um Entschuldigung bat: „... denn nachdem ich nach meinen Schmerzen und Traurigkeit auf die Ihrige schloß, so konnte ich es unmöglich übers Herz bringen, Sie sogleich mit dieser schrecklichen Nachricht zu überraschen.“