Gegen fremdes Körpergewebe wehrt sich der Organismus gewöhnlich durch eine heftige Abwehrreaktion. Diese Reaktion ist die größte Schwierigkeit bei Organverpflanzungen. In zahlreichen Laboratorien fahnden Mediziner daher nach Methoden, mit denen sie die Abwehrreaktion ohne Schaden für die Patienten, denen beispielsweise eine fremde Niere eingepflanzt werden soll, unterdrücken können.

Eine Anregung zur Überwindung dieser „Immunitätsbarriere“ lieferte jetzt der englische Zoologe G. Salt von der Universität Cambridge. Salt wies darauf hin, daß die Natur das Problem, das den Ärzten so viel Kopfzerbrechen bereitet, längst gelöst hat: bei den Beziehungen zwischen Schlupfwespen und bestimmten Raupenarten nämlich, in welche die Schlupfwespen ihre Eier Der Forscher fand heraus, warum die Schlupfwespeneier im Körper der Raupe nicht, wie anderes fremdes Gewebe, eine Abwehrreaktion auslösen. Die Abwehrreaktion, so stellte Salt fest, verhindert ein feiner Überzug, mit dem die Eier versehen sind. Diesen Überzug erhalten die Eier, wenn sie im Körper der Schlupfwespe eine bestimmte Stelle passieren. Als Salt in den Körper von Raupen Schlupfwespeneier brachte, die diese Stelle nicht passiert hatten, wurden sie wie jeder andere Fremdkörper eingekapselt.

Leider ist noch nicht bekannt, aus welcher Substanz der abwehrhemmende Überzug besteht und auf welche Weise er die Abwehrkräfte lähmt. Vielleicht bringen weitere Forschungen auf diesem Gebiet einen Hinweis zur Lösung des dringenden medizinischen Problems. E. L.