Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat die Klage gegen Südafrika, das Land sei zur Mandatsausübung in Südwestafrika nicht immer berechtigt, abgewiesen. In Den Haag traten Äthiopien und Liberia als älteste souveräne Staaten des afrikanischen Kontinents und gleichsam namens aller afro-asiatischen Staaten als Kläger auf. Ihr Begehren: Die 14 Richter sollten darüber urteilen, ob Südafrika das ihm 1920 vom Völkerbund verliehene Mandat über die ehemalige deutsche Kolonie noch rechtmäßig ausübe.

Die Kläger führten an, die Südafrikanische Union sei niemals der Pflicht nachgekommen, die Vereinten Nationen als die Nachfolgerin des Völkerbundes darüber zu informieren, wie sie das Mandat ausübe. Zum anderen wollten die Kläger beweisen, daß Südafrika seine Pflichten gegenüber der farbigen Bevölkerung in „Südwest“ gröblich verletzt habe.

Die Meinung im Richterkollegium war gespalten, nur sieben waren für eine Abweisung. Den Entscheid treaf der australische Gerichtspräsident, Sir Percy Spencer. Er begründete auch das Urteil: Die Nationen könnten ein berechtigtes Interesse an der Behandlung des Falles nicht nachweisen. Allenfalls die Vereinten Nationen könnten ein solches Interesse haben. Scharf wandte sich der Gerichtspräsident gegen die Bestrebungen der Kläger, vom Gericht Entscheidungen zu verlangen, die allein auf moralischen Prinzipien beruhen.

In Südafrika feierte die Regierung das Urteil als einen großen Sieg. Ministerpräsident Verwoerd gab bekannt, daß er seine Apartheidspolitik, die in Südwest bisher in gemilderter Form praktiziert worden sei, nun mit allen Konsequenzen durchsetzen wolle.