Was im Verhältnis zwischen Israel und Deutschland am schwersten zu erreichen ist, forderte der israelische Botschafter in Bonn, Asher Ben Nathan, von seinen Landsleuten: Objektivität. In einem Zeitungsinterview sprach der Botschafter die Warnung aus, daß die anhaltende einseitige Kritik vieler Israelis an allem Deutschen und an allen Deutschen den moralischen Kredit Israels in Deutschland gefährde und den politischen und wirtschaftlichen Interessen des Landes zuwiderlaufe.

Zu der Frage, ob die Deutschen wieder ihren Platz in der Völkerfamilie gefunden haben – der deutsche Botschafter Pauls hatte sie bejaht und war darauf von der israelischen Presse scharf attackiert worden –, sagte Ben Nathan: „Haben die Kulturstaaten uns bevollmächtigt, in ihrem Namen zu urteilen? Die Wahrheit ist, daß die Deutschen sich selbst und anderen beweisen wollen, daß sie sich geändert haben. Die größten Erziehungsanstrengungen werden hierbei auf die Jugend gerichtet. Was ich von dieser Jugend sah, hörte und las, beeindruckte mich.“

Zur gleichen Zeit, da Ben Nathan sein Interview gab, beschloß der israelische Ärzteverband den Boykott aller internationalen Kongresse, auf denen Deutsch Verhandlungssprache ist.