R. S., Bonn, im Juli

Der französische Staatspräsident hat seine Bonner Gesprächspartner offenbar richtig eingeschätzt. „Nur hart bleiben und nicht nachgeben“, mag er sich wohl gedacht haben, „dann werden sie schon einlenken.“ Und genauso ist es gekommen. Seit Erhard auch noch die Wahlschlacht in Nordrhein-Westfalen verloren hat, weicht er allen zusätzlichen Belastungen aus. Er braucht ein bißchen politischen Sonnenschein, und sei es nur in der Form eines optimistischen Kommuniqués.

Und was bleibt nun von der Verhandlungsposition, die der Außenminister mit solchem Eifer nicht zuletzt auf den drängenden Rat der Amerikaner und der Briten aufgebaut hat? Der französische Gesandte Beaumarchais erklärte seinem deutschen Gesprächspartner Meyer-Lindenberg schlicht und klar, die französische Rechtsauffassung erblicke in dem Stationierungsvertrag von 1954 die gegebene Rechtsgrundlage für den weiteren Aufenthalt der französischen Truppen in der Bundesrepublik. Nun hielten freilich der Bundesaußenminister und bis vor kurzem auch noch der Bundeskanzler gerade diese Rechtsgrundlage nicht für ausreichend, schon deshalb, weil sie den französischen Partnern zu einseitige Rechte gebe und zu wenige Pflichten auferlege. In den letzten Tagen aber hat sich der alles überschattende Standpunkt durchgesetzt: Die Franzosen müßten unter allen Umständen in der Bundesrepublik bleiben.