Die CDU in Nordrhein-Westfalen hat sich für die Fortsetzung der Kleinen Koalition entschieden. Nach langen Beratungen stimmten von 85 CDU-Abgeordneten 63 für eine Kleine Koalition, 5 für die Große, 15 dafür, daß die CDU in die Opposition gehen sollte, und zwei enthielten sich der Stimme. In einer zweiten Abstimmung einigte sich die Fraktion auf die erneute Kandidatur des bisherigen Ministerpräsidenten Franz Meyers.

Die Sozialdemokraten haben also vergeblich versucht, der CDU die Große Koalition schmackhaft zu machen. Sie hatten der Union eine „gleichgewichtige Beteiligung“ an der Landesregierung angeboten. Die CDU sollte fünf der zehn Ministerposten erhalten, darunter auch das Ministerium für Bundesangelegenheiten. Die SPD bestand auch nicht mehr unbedingt auf der von ihr im Wahlkampf geforderten Teilung des Kultusministeriums in ein Ministerium für Erziehung und eines für Forschung.

Die Frage ist nun, ob alle Mitglieder der CDU- und FDP-Fraktion sich bei der Wahl des Ministerpräsidenten der Fraktionsdisziplin beugen. Der FDP Fraktionsvorsitzende Möller meinte, in seiner Fraktion werde keiner „umfallen“. Der SPD-Vorsitzende Kühn erklärte, wenn nur jeder fünfte CDU-Abgeordnete, der für die Große Koalition sei und dies in der vergangenen Woche ihm gegenüber beteuert habe, bei der Wahl des Ministerpräsidenten einen weißen Stimmzettel abgebe, dann sei für ihn alles klar.

Kühn hat angekündigt daß mit einer harten Opposition der SPD zu rechnet sei, falls Meyers gewählt werde. Eine Kleine Koalition verfälsche den Wähler willen. Offenbar sei die Entscheidung der CDU durch bundespolitische Erwägungen beeinflußt worden.

Die Junge Union nahm das Wahlergebnis von Nordrhein-Westfalen zum Anlaß, eine umfassende Kabinettsreform zu fordern, bei der auch Franz Josef Strauß berücksichtigt werden soll. Auch das Bundeskanzleramt bedürfe der Reform, für Bundesminister Westrick sollten andere Aufgaben gesucht werden.