Mit einem Aufruf zur Erneuerung der katholischen Kirche im Geiste des Konzils ging am vergangenen Sonntag der 81. Deutsche Katholikentag zu Ende. Beobachter und Teilnehmer waren sich allerdings einige daß Bamberg erst der Beginn des Versuchs war, das Konzil „einzudeutschen“. Die Reformer fanden jedoch mehr Gehör als auf früheren Katholikentagen. Geistliche und Laien waren aufgerufen zur Diskussion.

Bei der Eröffnungskundgebung wurde die Teilnehmer noch skeptisch als „unbeholfene Lehrlinge in der Meisterschaft des dialogischen Gesprächs“ bezeichnet. Am Sonntag meinte dann der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prinz zu Löwenstein, zuversichtlich: „Ich sehe nach Bamberg in der Kunst des Dialogs einer Gesellenprüfung des Katholikentages mit Vertrauen entgegen.“

Diskutiert wurde vor allem in den drei Arbeitskreisen über die politischen, kulturpolitischen und innerkirchlichen Konsequenzen des Konzils. Der Jesuitenpater Professor Hirschmann warnte davor, aus den „Dogmen unmittelbare politische Programme ableiten“ zu wollen. Der Laie solle sich in eigener Verantwortung entscheiden.

Der Münchner Politologe Professor Hans Maier forderte die Kirche auf, ihr Verhältnis zu Staat, Gesellschaft und moderner Demokratie neu zu durchdenken. Der Christ müsse die Nächstenliebe in politischem und sozialem Engagement bezeugen – daraus dürfe jedoch nicht gefolgert werden, daß sich die Kirche als Gesellschaftsmacht in das demokratische Spiel der Kräfte einmischen solle.

Scharfe Kritik übte Maier wie auch andere Diskussionsteilnehmer am Verbandskatholizismus: „Kein Zweifel, der Wind, der vom Konzil herweht, bläst vielen Organisierten am deutschen Katholizismus ins Gesicht.“

Der Katholikentag bekannte sich zur Versöhnung mit dem polnischen Volk. In der Resolution eines Arbeitskreises wird versichert, daß die deutschen Katholiken „sich mit allen Kräften dafür einsetzen, daß das deutsche Volk die nationalen Existenzrechte des polnischen Volkes respektiert“. Am Schluß der Hauptkundgebung beteten Bischöfe und Volk gemeinsam: „Herr segne unsere Brüder und Schwestern in Polen, die uns vergeben haben, wie auch wir ihnen vergeben. Mach uns bereit zur Sühne und zu Opfern, auf daß wachse der Geist der Versöhnung unter den bedrängten Völkern.“