Der Groß vater erfand den Freilauf für das Fahrrad und wurde ein reicher Mann. Dem Enkel verhalf das Geld zu üppiger Beute: Gunther Fritz Sachs durfte Frankreichs Filmidol heiraten. Doch auch dieser Sachs ist ein Erfinder. Er fügte der Liebes-, Zwangs- und Vernunftehe eine neue Gattung bei: Die Publicity-Heirat.

Nicht etwa die Mutter der Braut ward, in die geheimen Pläne eingeweiht, sondern ein Agent. Mit ihm schloß der Bräutigam einen Vertrag über die „Weltrechte“ auf seine presseträchtige Romanze, dann erst flog das junge Paar zum Friedensrichter nach Las Vegas, um der Story die richtige Pointe zu geben. Es ist nur folgerichtig, daß Herr und Frau Sachs ihre Flitterwochen auf Tahiti absolvieren; in der Abteilung Exotik bietet die gute, alte Erde nichts Farbenprächtigeres; allein dieser Hintergrund ist eine halbe Fortsetzung wert.

Der 33jährige, sein dichtes, langes Haar ist an den Schläfen schon ergraut, darf mit dem Echo zufrieden sein. Nicht nur, daß manche illustrierten Blätter für exklusive Photos der Hochzeits-Zeremonie fünfstellige Beträge zahlten, selbst nüchterne Nachrichten-Agenturen versahen die Meldung aus dem Hochzeits- und Scheidungsparadies Nevada mit dem Gütezeichen „Eilt“. Nach diesem Streich darf Sachs sich als „Playboy Nummer Eins“ fühlen. Und man darf sagen, er hat hart daran gearbeitet.

Er wäre wohl vor einigen Jahren schon bereit gewesen, den entscheidenden Schlag zu führen, da er und Soraya als Verlobte grüßen ließen. Aber ob es nun die Stimme der Vernunft oder die ihrer Mutter war, irgend etwas jedenfalls hielt die ehemalige Frau des Schahs von Persien zurück, sich mit dem Fichte! & Sachs-Erben zu verbinden. Obwohl auch diese Paarung hohen Ansprüchen genügt hätte – Deutschlands Playboy macht endlich jene Frau glücklich, deren grausames Schicksal vom Volk so lange und eindringlich mitempfunden worden war.

Ehrgeizig ist er also, doch warum garade auf dieser Ebene? Es gibt genug reiche Leute, die fast ebensoviel Geld und Energie aufwenden, um nicht in der Zeitung zu stehen. Die ersten 25 Jahre seines Daseins sah es auch gar nicht so aus, als ob der Zweitgeborene des Kommerzienrats Willy Sachs einmal ein Leben für die Weltpresse führen würde. Die Eltern trennten sich früh; der Vater erhielt Ernst Wilhelm – den Ältesten – zugesprochen. Er erzog ihn mit eiserner Konsequenz zu seinem Nachfolger im Reich der Freilaufnaben, Kugellager, automatischen Kupplungen und Kleinstmotoren.

Gunther dagegen zog mit der Mutter, die aus der Autofamilie derer von Opel stammt, und einem Aktienanteil, der aus dem Verkauf der Werke an die General Motors stammte, in die Schweiz. Er ging in einem jener exklusiven Knaben-Internate Europas zur Schule und studierte dann am Polytechnikum von Lausanne Mathematik. Mit 22 Jahren heiratete er eine Studienfreundin, die Französin Marie. Die beiden bauten sich ein Fischerhaus in Pully am Genfer See aus. Und bald war ein Sohn da.

Vielleicht wäre die ganze „Gunther-Sachs-Story“ weiter in solch gutbürgerlichen Bahnen verlaufen, hätte die junge Frau nicht durch ein tragisches Mißgeschick nach einer harmlosen Operation ihr Leben verloren. Im selben Jahr – 1958 – nahm sich auch noch Sachs senior mit einem Jagdgewehr das Leben.