Die Rebellen von Salisbury sind von den ersten Seiten der britischen Zeitungen verschwunden. Der Mann auf der Straße hat Rhodesien aus den Augen verloren. Die Tage, da sich das Unterhaus jede Woche ausführlich und hitzig mit Ian Smith befaßte, sind lange vorüber.

Das gelegentliche Gezänk in der Fragestunde, ob man das Ereignis vom vorigen November als UDI (Unilateral Declaration of Independence) oder IDI (Illegal Declaration of Independence) bezeichnen soll, hat etwas Scholastisches; der deutsche Zuhöhrer fühlt sich an die ihm vertrauten Anführungszeichen um die Buchstaben DDR erinnert. Die Labour-Regierung besteht auf dem I, die Konservativen benutzen zumeist das U.

Aber ob nun „einseitig“ oder „illegal“, das ändert nichts am wichtigsten Teil jener Bezeichnung, der Unabhängigkeit nämlich. Das Desinteresse in England spiegelt die Hinnahne dieser Tatsache wider. Lediglich die Financial Times unterrichtet ihre Leser – die wissen, was noch alles auf dem Spiel steht – ausführlich und regelmäßig über die Entwicklung.

Aber daß sich nichts tut, bedeutet keineswegs, daß die Krise begraben ist. Im Gegenteil wird man sehr bald wieder viel Unangenehmes über Rhodesien hören. Am 6. September tritt in London die Commonwealth-Konferenz zusammen. Wie viele Staaten auch immer teilnehmen, Rhodesien wird das zentrale Thema sein. Und es erscheint ausgeschlossen, daß die gegenwärtig ruhenden Gespräche zwischen London und Salisbury bis dahin zu einem Kompromiß gediehen sind, der auch für die farbigen Nachbarstaaten des Siedlerlandes annehmbar ist.

Es handelt sich ohnehin erst um Verhandlungen über die Aufnahme von Verhandlungen. Ohne daß Smith zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückkehrt, will Wilson gar nicht über einen Kompromiß reden; die große Vorleistung soll von Salisbury ausgehen.

Da die verhängten Sanktionen nicht den Zusammenbruch des Regimes Smith erreicht haben – was offenkundig ist –, bleibt die Frage, ob sie wenigstens so wirksam sind, daß sie diese Wilsonsche Forderung mit dem gebührenden Nachdruck versehen. Vielleicht entscheidet es sich an diesem Wochenende, wenn in Salisbury der Haushalt für das kommende Finanzjahr veröffentlicht wird. Es gilt als sicher, daß er für viele Rhodesier die Stunde der Wahrheit bringen muß. Aber wie bitter diese Wahrheit ist und ob sie von Finanzminister Wrathall versüßt werden kann, ist unter den rhodesischen Gegebenheiten eine Frage geschickten Frisierens.

Selbst Englands Wirtschaftsexperten haben sich den Mechanismus von Stagnation und Kapitulation in Rhodesien zu einfach vorgestellt. Vor einem Jahr rechnete die Zeitschrift Economist die Folgen einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung so auf: