Von Ruth Herrmann

Am Tage des Sturms auf die Bastille, am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, hat „Frankreichs Exportartikel Nummer 1“, die Schauspielerin Brigitte Bardot, einen Deutschen geheiratet, noch dazu einen, dessen Vorname im deutschesten Heldenepos eine Hauptrolle spielt: Gunther Sachs. Wen Fragen der Staatsangehörigkeit interessieren, der kann sich nun also vorstellen, daß aus einer Französin eine Deutsche geworden ist, eine Brunhild oder Kriemhild.

An der Französin Brigitte Bardot Züge deutscher Heldinnen zu entdecken, dürfte freilich schwerfallen. Immerhin: ihre schnellen Entschlüsse und die rasch formulierten Kommentare zu ihren Entschlüssen haben mehr Verwandtschaft mit den wilden Heldinnen der germanischen Sage als mit der französischen Nationalheroine Jeanne d’Arc. Beim Vergleich rückt die historische Französin in die Nähe des Käthchens von Heilbronn, die ihren Angebeteten (jedenfalls bei Heinrich von Kleist) stets als „mein hoher Herr“ anzureden pflegte.

Natürlich sagt Brigitte Bardot zu ihrem deutsche Ehemann nichts dergleichen. Immerhin aber soll sie gesagt haben: „Ich finde ihn wunderbar! Noch nie habe ich so einen Mann gekannt! Er ist ganz anders als sein Ruf: Grenzenlos gut, aufrichtig und treu in seiner Freundschaft. Man kann sich auf ihn verlassen, und man kann einfach alles mit ihm machen.“ Der neue Gatte formulierte seine Glücksgefühle so: „Brigitte – das sind alle Frauen in einer! Sie ist zärtlich, temperamentvoll und lustig. Wir haben eine Menge gemeinsamer Berührungspunkte entdeckt. Und außerdem ist sie so schön.“

Um künstlerische Berührungspunkte dürfte es sich am wenigsten handeln. Angeblich hat Sachs sich noch niemals einen Bardot-Film angesehen. Aber da Brigitte Bardot glaubt, alles mit ihm machen zu können, wird sie ihn vermutlich auch dazu bringen: sich zu überzeugen, daß er nicht nur eine hochattraktive Frau geheiratet hat, sondern auch eine hervorragende Schauspielerin, die der Erfolg von Jahr zu Jahr begabter gemacht hat. Allein schon die unbewegten Bilder, Photos aus den Jahren 1954 (als Brigitte Bardot den Regisseur Roger Vadim heiratete, der sie zuerst groß herausbrachte) bis heute, zeigen, was aus dem „langmähnigen kleinen Mädchen mit Schmollmund“, als das sie damals pauschal abgetan (oder mit dem Zusatz: „Einfach hinreißend süß“) gelobt wurde, in den vergangenen Jahren geworden ist.

Offensichtliche Übereinstimmungen zwischen den neuen Eheleuten liegen auf einem Gebiet, das man – wenigstens bei der Bardot – nicht leicht vermutet, es sei denn, man weiß schon etwas über jenen Teil ihres Privatlebens, der abseits vom süßen Leben liegt. Diese Schauspielerin, die für einen Film durchschnittlich 1,2 Millionen Mark Gage erhalten hat, ist auch eine begabte Kapitalistin. Da sie nicht nur sparsam (um nicht zu sagen: geizig) ist, ihr erspieltes Geld weder verspielt noch auf neureiche Weise verschwendet, ist sie Multimillionärin. Eine gute Partie also: Geld kam zu Geld, eine Tatsache, die den Neuvermählten nicht erwähnenswert da selbstververständlich sein dürfte. Brigitte Bardots Zurückhaltung und Haltung, wenn es ums Geldausgeben geht, wurde weiten Kreisen bekannt, als sie vor einigen Jahren die Forderung von Frankreichs OAS, sie in ihrem Algerienkampf zu unterstützen, schlicht ablehnte – und das gewiß nicht allein aus Geiz, sondern weil sie eine Person mit klaren Grundsätzen ist.

Die Millionen Menschen in aller Welt interessieren sich natürlich mehr für ihre Grundsätze in Fragen der Gefühle: „Ich liebe frei, ich schenke freigebig, und ich gehe frei davon, wenn es aus ist.“ Dieser Ausspruch gehört der Vergangenheit an – ob auch sein Inhalt – das läßt sich im Augenblick wohl nicht sagen.