Von Marianne Eichholz

Auf dem Pankower Wochenmarkt gibt es Portulakröschen, Holzschutzpräparate, Gartengeräte. Es gibt einen Litfaßsäulenbär in grünen Strampelhosen und den Slogan „Grüne Stadt – schöne Stadt“. Und es gibt hier die saubersten Straßen von ganz Berlin.

Pankow, nördlicher Vorort und Verwaltungsbezirk im Ostsektor, bis Oktober 1964 Sitz des Staatsrates, Anschrift, XIII Berlin-Niederschönhausen 1, v. Ossietzkystraße. Den Staatsrat gibt es erst seit 1960. Damals starb der aus der Lausitz stammende Tischler Wilhelm Pieck (seit Gründung der KPD 1918 Mitglied des ZK, von 1921 bis 1929 Mitglied des Preußischen Landtags, 1933 Emigration, ab 1949 Präsident der DDR). Sein Tod „gab der SED die Gelegenheit, die Verfassung zu revidieren und sie in den Artikeln 101 bis 108 den Verfassungsbestimmungen der Sowjetunion ... anzupassen. Nach sowjetischem Vorbild wurde am 12. September 1960 das Amt des Präsidenten durch einen Staatsrat ersetzt“. (Aus: SBZ von A–Z, Bonn 1965.)

Der Staatsrat wird von der Volkskammer auf vier Jahre gewählt, besteht aus dem Vorsitzenden (Ulbricht), sechs Stellvertretern (Stoph, Dieckmann, Götting, Homann, Gerlach, Rietz), 16 Mitgliedern und dem Sekretär Otto Gotsche (geboren 1904 in Thüringen, Klempnergeselle, 1919 Mitbegründer des kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, 1921 Eintritt in KPD, nach 1945 Eintritt in SED, 1950 persönlicher Referent Ulbrichts, Autor von Romanen, die als Muster des sozialistischen Realismus gelten).

Im Oktober 1964 zog der Staatsrat in sein neues Haus am Marx-Engels-Platz, und am 14. Juni 1966 schrieb das „Neue Deutschland“, daß das Schloß Niederschönhausen, das sich hinter der Anschrift v. Ossietzkystraße verbirgt, durch den Besuch der ungarischen Partei- und Regierungsdelegation mit Kadar und Kallai „seine Weihe als Gästehaus der Regierung der DDR erhalten habe“.

Pankow, drittgrößter Ostberliner Bezirk, zählt 137 000 Bürger. Von den 45,2 Kilometern „Friedensgrenze“ – ausgemessen vom Vermessungsamt des Westberliner Bausenators – besitzt Pankow, eine Perle mit Schlössern, Parks, dörflichen und städtischen Siedlungen, reichliche zehn Kilometer. Die S-Bahn fährt zwischen den Bahnhöfen Bornholmer Straße und Rosenthal fast genau auf der Grenze zum Westberliner Bezirk Reinickendorf entlang.

Pankow liegt wirklich an der Panke, diesem Holzpantinenflüßchen, das in Bernau entspringt, einen Haken in den Westberliner Bezirk Wedding schlägt, dann aber doch nahe dem Ostberliner Bahnhof Friedrichstraße mit der sozialistischen Spree fusioniert. Acht frühere Landgemeinden mit Feldsteinkirchen und Dorfplätzen – Niederschönhausen, Rosenthal, Blankenfelde, Buchholz, Buch, Karow, Blankenburg und Heinersdorf – gehören alle zu Pankow, lauter Sommer- und Stadtrandnamen, wo Unkrautvertilger und Torfmull vielgekaufte Artikel sind. Der Kern, Pankow selber, ist der großstädtische Anschlußstutzen an den südlich anschließenden Bezirk Prenzlauer Berg.