Gerade das so kühl-korrekte, diplomatisch wägende Protokoll kann zum Dolmetscher von Gefühlen werden, wenn es auf seine verhaltene Weise einem hohen Gast besondere Herzlichkeit bezeugt. Man hat sich in Bonn Mühe gegeben, dem tunesischen Staatspräsidenten Habib Bourguiba auf seiner Reise durch die Bundesrepublik viele solcher Beweise zuteil werden zu lassen. Unser Land begrüßt in ihm einen in schwierigen Tagen bewährten Freund, einen klugen, realistischen Mittler, der, in scheinbar kleiner Position, einer großen Aufgabe dient, symbolhaft für Mächtigere in seiner nüchternen Abschätzung des jeweils Erreichbaren, des nicht in engem Sinne begriffenen Nützlichen.

Es ist gut, daß an einem so allergischen Schnittpunkt vieler divergierenden Interessen ein Mann mit so unbeirrbarem politischen Instinkt die Regierungsgeschäfte führt. Wir haben viele Gründe, ihm dankbar zu sein. R. S.