Trotz grandioser Kulissen – Kaiserdom (1210 bis 1237) und Alte Hofhaltung (1571 bis 1576) – hatten auf dem diesjährigen Katholikentag in Bamberg die Traditionalisten einen schweren Stand, auch und vor allem in dem Arbeitskreis, der sich mit dem katholischen „Beitrag zu Bildung und Kultur“ befaßte.

Seit dem Kulturkampf hat sich Deutschlands katholische Kirche gern und intensiv mit kulturpolitischen Fragen auseinandergesetzt. Daher ist es denn auch berechtigt, die Diskussionen dieses Arbeitskreises besonders aufmerksam zu registrieren. Schul- und Bildungspolitik schien in Deutschland bis heute nur möglich zu sein, wenn man einen großen Teil der Bevölkerung wegen völliger Rückständigkeit einfach nicht beachtete – trotz verbriefter demokratischer Grundrechte.

Es ging bei allem stets um den gleichen neuralgischen Punkt: die staatliche Bekenntnisschule. Damit verbunden war immer auch die statistisch beweisbare Tatsache, daß Deutschlands Katholiken weiterführender Bildung jeder Art mit großer Zurückhaltung gegenüberstanden. Sie hatten am sattsam bekannten Bildungsrückstand der Bundesrepublik gegenüber vergleichbaren Ländern einen nicht zu unterschätzenden Anteil.

Besonders seit dem Katholikentag 1964 in Stuttgart hatten nun die Betroffenen selber aufgemerkt und sich daran gemacht, Versäumtes nachzuholen. Daß auch in stark katholischen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland seit einiger Zeit der Zustrom zu Real- und Oberschulen zugenommen hat, dürfte jedoch nur zu einem kleineren Teil der aktivierenden Tätigkeit katholischer Bildungsfreunde zuzuschreiben sein.

In einem ausführlichen und ausgewogenen Referat hat Staatssekretär Hubert Hermanns nun in Bamberg auf die umfangreiche Problematik der vom Staat unterhaltenen Bekenntnisschule aufmerksam gemacht. Er formulierte den für Kenner der eisernen katholischen Haltung ganz erstaunlichen Satz: „In den Fällen, in denen die Beibehaltung der Bekenntnisschule zu Schwierigkeiten mit dem Minderheitsinteresse führt, werden wir selbst, um unserer christlichen Glaubwürdigkeit willen, oft genug davon absehen müssen, unsere Mehrheit einfach auszunutzen.“

Also: die Rechte einer Minderheit anderer Überzeugung sollen nicht länger verletzt werden.

Darüber hinaus sind nicht alle katholischen oder evangelischen Schulen schon deswegen ideale Schulen, weil sie katholisch oder evangelisch sind. Es wäre nutzlos, sich auf die Einrichtung kleiner und kleinster Konfessionsschulen zu versteifen, deren pädagogische Wirksamkeit praktisch gleich Null ist, wenn durch eine Simultanschule ein größerer Effekt erreicht werden könnte.