G. S., Mannheim

Eigentlich hieß der Specialist fourth class der US-Army Franz Gerhard Prediger und stammte aus München. Aber um die Wende zu den sechziger Jahren wanderte der gelernte Maler in die Neue Welt aus – und dort wurde er prompt zum Militär eingezogen. Die US-Army versetzte ihr neues Mitglied bald nach Deutschland zurück, in Mannheim wurde er stationiert. Der Münchner in Mannheim – er hieß nun Frank Prediger – heiratete eine Mannheimerin. Doch die US-Army unterbrach die Flitterwochen und holte Frank Prediger zurück in die Vereinigten Staaten. Von dort beorderte sie ihn zum Einsatz nach Vietnam. In Vietnam fiel Frank Prediger vor dem Feind.

Die DDR-Presse nahm sich seines Falles sogleich an und berichtete vom Tod eines „westdeutschen Söldners“. Diese Version stimmt nicht. Zwar scheint manches an diesem Tod ungeklärt, aber eines steht fest: Zum Zeitpunkt seines Todes war Franz Gerhard Prediger, genannt Frank Prediger, wohl deutscher Staatsangehöriger, aber als Specialist fourth class war er Angehöriger der US-Army.

Wie es dazu kommen konnte? Auch darüber gibt es zur Zeit verschiedene Versionen: Die einen wissen zu berichten, Frank Prediger sei den nicht immer feinen Methoden der Immigration Authorities zum Opfer gefallen, die ihn aufgefordert haben sollen, entweder in die Armee einzutreten oder die USA zu verlassen. Andere berichten, Frank Prediger sei wohl freiwillig in die Armee eingetreten, um damit die Zeitspanne zur Einbürgerung – die normalerweise fünf Jahre beträgt – auf drei Jahre herabzusetzen (diesem Antrag wird immer dann stattgegeben, wenn der Antragsteller den Wehrdienst ableistet). Wie dem auch sei: US-Bürger war Franz Gerhard Prediger zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht gewesen.

Ein Zug der Military Police präsentierte die Gewehre, der Geistliche sprach ein paar Werte, die Ehrensalven hallten über den Hauptfriedhof in Mannheim, beim „Taps“ des Kornettisten sank der Sarg mit dem Specialist fourth class in die Grube. Ein amerikanischer Offizier überreichte der 23jährigen Witwe, wie es das Reglement befiehlt, das sorgfältig gefaltete Sternenbanner, das vorher den Sarg bedeckt hatte.

Soweit wäre dies die normale Beisetzung eines Gefallenen gewesen. Doch vor und während der kirchlichen Feierlichkeiten bot sich vor dem Mannheimer Hauptfriedhof ein unrühmliches Schauspiel. Die Akteure der Handlung waren Mannheimer Schutzpolizisten und Kriminalbeamte mit allem dazugehörigen technischen Aufwand: Funkwagen und Funkräder. Es sollte verhindert werden, daß Journalisten, vornehmlich jene aus der DDR, die Begräbniszeremonie photographierten. Ein höherer Polizeioffizier berief sich schließlich auf einen Paragraphen der Friedhofsordnung aus dem vorigen Jahrhundert, um sein Photographierverbot zu rechtfertigen.

Wenig pietätvolle Szenen spielten sich zwischen Hütern der Ordnung und den Journalisten ab, die auf ihrem Recht, ungehindert Aufnahmen zu machen und Informationen zu erlangen, bestanden. Schließlich griff Mannheims Polizeipräsident ein, setzte dem Schauspiel ein Ende und erlaubte zu photographieren und zu filmen.