Postminister Stücklen der gemütliche Bayer, ist mit dem zugegebenermaßen recht ungemitlieben Heimkehrerverband in den Clinch gegangen: Er will die Gebühren für das „Postzeitungsgut“ erhöhen. Der Heimkehrerverband, der ein Verbandsorgan verlegt und für den Versind Postgebühren bezahlen muß, beschuldigt Stücklen, er treibe „ein erschütterndes fiskalisches Spiel“. Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Eduard Rock nannte den Plan der Gebührenerhöhung eine „politische Fehlentscheidung allerersten Ranges“. Kontert Stücklen: „Jeder verantwortungsbewußte Staatsbürger sollte einsehen, daß Kosten wenigstens in einem gewissen Umfang von dem getragen werden müssen, der sie veranlaßt.“ 1966 werde die Post am Zeitungsdienst 260 Millionen Mark verlieren; nach der Gebührenerhöhung 40 Millionen weniger.

Den Postzeitungsdienst (kurz PZD genannt) brauchen vor allem überregionale Zeitungen und Zeitschriften; also „Welt“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, alle Illustrierten und Frauen-Zeitschriften, Wochenzeitungen wie „Christ und Welt“ – und DIE ZEIT, in Hamburg gedruckt und von dort nach ganz Deutschland, den übrigen Ländern Europas, Asien, Afrika und Australien versandt (Nord- und Südamerika werden van Toronto und Buenos Aires beliefert).

Die Post bedient die Zeitungen und Zeitsanften mit dem PZD unbürokratisch und technisch vollkommen; die Verleger sind zufrieden. Zufrieden sind sie natürlich auch mit den niedrigen Gebühren – der Steuerzahler schießt ja zu. Sehr zufrieden sind vor allem die Verleger der Illustrierten, deren Anzeigen von den Werbetreibenden gut bezahlt und auf Kosten des Steuerzahlers billig versandt werden.

Aber warum eigentlich? Für den nachdenklichen Verleger müßte es eigentlich ungemütlich sein, daß sein Geschäft von einem Zuschuß des Steuerzahlers abhängig ist. Der Verleger muß beim Staat um freie Information (auch über Vorgänge bei Behörden) kämpfen, sich gegen Zensur (auch unter dem Titel der Jugendgefährdung) wehren – Geld sollte er vom Staat nicht nehmen. Deshalb müßten eigentlich die Verleger dafür sorgen, daß die Post bei der Beförderung von Zeitungen und Zeitschriften auf ihre Rechnung kommt.

Die Empörung des Heimkehrerverbandes mag verständlicher erscheinen, wenn man sieht, was die Erhöhungen kosten. DIE ZEIT zahlt für Postgebühren im In- und Ausland jährlich etwa 800 000 Mark; dazu kommt Luftfracht ins Ausland für etwa 150 000 Mark. Ab 1967 soll DIE ZEIT 350 000 Mark mehr für den PZD bezahlen. Woher nehmen? 1965 hat ZEIT nichts verdient (1964 hatte sie noch einen Verlust). DIE ZEIT gab im letzten Jahr aus: für Redaktion 2,9, für Papier 3, für Satz und Druck 2, für Werbung, Verwaltung und so weiter 3, für Transport und Verpackung 1,8 – insgesamt also 12,7 Millionen Mark. Sie nahm ein: für Anzeigen 6,45 und vom Leser 6,2 – insgesamt also 12,7 Millionen Mark.

Höhere Gebühren sind in Ordnung für gut verdienende Zeitungen, für die meisten Illustrierten und Frauenzeitschriften. Sie sind ein Segen gegen die Pest der Soraya-Blätter. Sie sind hart für gute Wochenzeitungen wie „Christ und Welt“, „Sonntagsblatt“, „Rheinischer Merkur“. Aber: Alle Zeitungen kämpfen gegen das Subventionsunwesen. So treibt jeder Verleger ein doppeltes Spiel, wenn er verlangt, daß der Steuerzahler die Zeitungen subventionieren soll.

G. B.