Während in der Bundesrepublik der Absatz an Mineralölprodukten 1965 um 13 Prozent wuchs, verkaufte die Esso AG, Hamburg, nur knapp 9 Prozent mehr. Ihr Marktanteil ist also kleiner geworden. Diese Schrumpfung ist der Ertragsrechnung allerdings gut bekommen, denn der Verzicht auf verlustbringende Heizölgeschäfte in Verbindung mit günstigeren Einstandspreisen und Rationalisierungserfolgen führte bei der Gesellschaft zu einem Gewinn von 7,8 Millionen Mark, durch den der Verlustvortrag voll getilgt worden wäre, wenn man nicht gleichzeitig eine Sonderrücklage nach Paragraph 6 EStG von 1,1 Millionen gebildet hätte.

Daß der Wettbewerb hart war, läßt sich dem Vergleich zwischen dem Anstieg des Mengenumsatzes ( + 9 Prozent) und des Wertumsatzes ( + 5,3 Prozent) entnehmen. Diese Differenz fällt um so mehr ins Gewicht, als die Esso – wie schon gesagt – auf dem Gebiet des unrentablen Heizölgeschäftes kürzer getreten hat. Über den Anteil der einzelnen Produkte am Gesamtgeschäft schweigt sich der Vorstand aus. Es heißt lediglich, daß sich das Geschäft an Vergaserkraftstoffen durch die Tiger-Werbung belebt hat und darüber hinaus ein „Aufmerksamkeitserfolg“ erzielt worden ist. Im Petrochemie-Geschäft habe die Gesellschaft den Absatz wiederum ausgeweitet, bedingt durch die Marktlage hat sich jedoch der Wertumsatz nicht im gleichen Umfang wie der Mengenabsatz entwickelt.

Es war klar, daß die Esso auf die Dauer die Verringerung ihres Marktanteiles nicht hinnehmen würde. Sie hat deshalb zum Mißvergnügen der meisten anderen Ölkonzerne im März 1966 eine generelle Preissenkung für Markenkraftstoffe eingeleitet und dabei gleichzeitig mit einer neuen Preisstaffelung ihren Tankstellenverwaltern die Gewährung von Rabatten gestattet. Da die Konkurrenten mit ähnlichen Maßnahmen folgten, darf man gespannt darauf sein, ob und inwieweit sich 1966 die Marktanteile verändern werden.

Zur Zeit liegt bei der Esso das Investitionsschwergewicht nicht mehr in der Errichtung neuer Raffineriekapazitäten (dafür wurden 1965 nur rund 57 Millionen aufgewandt), sondern in der Modernisierung und Rationalisierung des Umschlags-, Transport- und Vertriebsystems, auch hier also ein klarer Trend zur Sicherung und Vergrößerung des Marktanteiles. In dieser Sparte betrugen die Investitionen 127,3 (109,1) Millionen. Die Beschaffung der dafür notwendigen Mittel bereitete im Jahre 1965 keine Schwierigkeiten, denn der Netto-Anlagezugang von 79 Millionen blieb unter dem Zugang an eigenen Mitteln von 108 Millionen, davon 100 Millionen durch eine Kapitalerhöhung. K. W.