Die Hoffnungen auf einen baldigen Waffenstillstand in Vietnam sind am vergangenen Wochenende zerstört worden. Alle Vermittlungsbemühungen scheiterten. Eine weitere Eskalation des Krieges droht. Als der britische Premier Harold Wilson im Kreml ohne Aussicht auf Erfolg versuchte, seine Gesprächspartner für einen Vermittlungsversuch zu gewinnen, verkündete Ho Tschi Minh die Teilmobilmachung als Antwort auf die Ausweitung der amerikanischen Bombenangriffe.

Hanoi hat jetzt auch offiziell den Vietcongs „umfassende Unterstützung“ zugesagt. Der ständige Ausschuß der nordvietnamesischen Nationalversammlung beschloß, „einen Teil der Reserveoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften sowie einen Teil der zu den Reserven gehörenden Bürger zu mobilisieren“.

Zur militärischen Ausweitung des Krieges kommt die Eskalation des Hasses. Die Drohung Hanois, gefangene US-Piloten hinzurichten, hat in Amerika die Position der Befürworter einer verschärften Kriegsführung gestärkt. Der Vorsitzende des Militärausschusses im amerikanischen Senat, Richard Russell, forderte Vergeltungsmaßnahmen für die Mißhandlung der Gefangenen. Er drohte, Repressalien gegen die Piloten werde die Vereinigten Staaten zum Einsatz aller Machtmittel veranlassen und dazu führen, daß Nordvietnam „zur Wüste wird“.

Achtzehn Senatoren, die als Gegner von Johnsons Vietnam-Politik gelten, haben an Hanoi appelliert, die Genfer Konvention zu respektieren. Die Unterzeichner des Aufrufs, unter ihnen Senator Fullbright, fürchten unabsehbare Folgen für den Fall, daß auch nur einer der abgeschossenen Piloten hingerichtet wird. Außenminister Rusk hat auch bereits mit Vergeltungsschlägen gedroht, ohne sich jedoch auf bestimmte Maßnahmen festzulegen.

Beide Parteien erklärten ihre Entschlossenheit, weiterzukämpfen – und wenn es Jahrzehnte dauere. Ho Tschi Minh verkündete den Kampf bis zum „Endsieg“: „Der Krieg mag weitere fünf, zehn, zwanzig Jahre oder noch länger dauern. Das vietnamesische Volk wird sich nicht einschüchtern lassen.“