Die Regel, daß das Amt den Mann prägt, bewahrheitet sich auch an dem Wehrbeauftragten Matthias Hoogen. Wie sein Vorgänger, Vizeadmiral a. D. Heye, ist auch er, der früher als sanftmütiger Parlamentarier galt, ein unbequemer Mann geworden. „Der Wehrbeauftragte ist in den Stäben und im Ministerium nicht gerade populär“, erklärte er, als er seinen neuen Jahresbericht vorlegte.

Positiv ist in diesem Bericht erwähnt, daß die Zahl von Grundrechtsverletzungen zurückgegangen ist.

An kritischen Anmerkungen hat der Wehrbeauftragte indes nicht gespart. Er führte einige Beispiele an, wo ihm bei der Untersuchung von Zwischenfällen von Kommandeuren Schwierigkeiten gemacht wurden. Hoogen schildert auch, wie einem Soldaten das Recht der freien Meinungsäußerung verwehrt wurde.

Im Gegensatz zum Ministerium interpretiert Hoogen die Rolle des Wehrbeauftragten als Hilfsorgan des Parlaments bei der Kontrolle der Regierung und der Exekutive expansiv. Er ist der Meinung, daß er dieses Kontrollrecht ohne besonderen Einzelauftrag vom Verteidigungsausschuß ausüben kann. Der Bundestag scheint jedoch der Tätigkeit seines Wehrbeauftragten nicht ganz die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Das Parlament hat noch nicht einmal den letzten Jahresbericht abschließend behandelt.