Gußgrau, fast schon schwarz malen die Buderus’sehen Eisenwerke, Wetzlar, die Zukunft in ihrem Geschäftsbericht 1965. Die im vergangenen Jahre durchgeführte organisatorische Neuordnung, die in einer beachtlichen Konzentration mündete, hat vorerst noch keine Früchte getragen.

Anfang des Jahres erwarb Buderus die zweite Hälfte der Anteile der Stahlwerke Roechling-Buderus von der Roechling-Gruppe. Seither firmiert diese Gesellschaft als Edelstahlwerke Buderus AG, Wetzlar. Mit der Übernahme der 74 Prozent Anteile des Landes Hessen an den Hessischen Berg- und Hüttenwerken AG, Wetzlar, wurden sodann die letzten Sozialisierungsbestrebungen laut hessischer Verfassung ausradiert. Weiterhin stimmte die Hauptversammlung einer Fusion zu, mit der die Metallhüttenwerke Lübeck GmbH, die viele Jahre hindurch die Mehrheitsbeteiligung an Buderus gehalten hatten, aufgenommen wurden. Zugleich wurde ein Organschaftsvertrag zwischen Buderus und der Hessischen Gesellschaft für Industrielle Unternehmungen (HGI) Friedrich Flick GmbH, Wetzlar, zugestimmt. Und schließlich schloß Buderus gegen Jahresende auch mit der Krauss-Maffei AG, München, einen Organschaftsvertrag. Nach Unterbreitung eines Abfindungsangebots verfügt Buderus nun über 93 Prozent des Krauss-Maffei-Kapitals.

Dieser neu zusammengefaßte Block bestimmte das Bilanzbild 1965 bei Buderus. Die Bilanzsumme stieg um 106,8 auf 378,3 Millionen Mark, das Anlagevermögen um 113,1 auf 235,5 Millionen Mark, darunter die Beteiligungen um 55 auf 100,9 Millionen Mark.

Bei Buderus selbst war zwar auf Grund dieser Vorgänge das Jahr 1965 recht bewegt, die Ergebnisse und auch die Aussichten dagegen sind nicht besonders günstig. Der an die HGI abzuführende Gewinn stellte sich auf knapp 9,8 Millionen Mark. Doch trugen dazu wesentlich die von 1,3 auf 5,3 Millionen Mark erhöhten Erträge aus Gewinnabführungsverträgen und die von 0,85 auf 2,0 Millionen Mark gestiegenen Beteiligungserträge bei.

Bei Buderus selbst brachte 1965 einen Umsatz- und Ertragsrückgang; allein der Zusammenbruch des Kohleöfengeschäfts verursachte 16 Millionen Mark Umsatzausfall.

Auch die Aussichten für 1966 werden pessimistisch beurteilt. Die Abschwächungstendenzen würden sich wohl fortsetzen, heißt es. „Ernste Auswirkungen auf die Ertragslage“ werden bereits angedeutet. Der nachlassende Bedarf führe zu verschärftem Konkurrenzkampf. Das Preisgefüge werde bereits weitgehend von billigen Importen bestimmt.

Dennoch erhalten die verbliebenen freien Buderus-Aktionäre für 1965 mit 12,7 Prozent eine gegenüber dem Vorjahre leicht erhöhte Dividende. Sie ergibt sich daraus, daß die HGI zunächst eine Mindestdividende von 12 Prozent garantiert. Im übrigen erhöht sich die Dividende entsprechend, wenn in den Wirtschaftsgruppen Grundstoffindustrie und metallverarbeitende Industrie die Durchschnittsdividende über 12 Prozent hinausgeht. bo.