Der Jaguar hat das Rennen aufgegeben. Die Autos mit der springenden Wildkatze auf dem Kühler – neben Ferrari und Maseratti die bevorzugten Fortbewegungsmittel der Playboys – werden künftig von dem größten britischen Automobilkonzern British Motor Corporation produziert. BMC und die Jaguar Cars Ltd. sprechen allerdings nicht von einer Übernahme, sondern von einem „Zusammengehen“, von dem sie sich Vorteile vor allem auf dem Auslandsmarkt versprechen.

Die Zahl der europäischen Automobilunternehmen ist damit wieder geschrumpft – wenn auch der Firmenname erhalten bleibt. Die Marke Jaguar spricht für Exklusivität; sie ist Symbol für die Liebhaber rassiger Sportwagen wie für die Käufer repräsentativer Luxuswagen. Die Jaguar-Werke hatten sich in einer „Marktnische“ eingerichtet, wie in Deutschland etwa die Bayrischen Motoren Werke oder Porsche. Doch die Nische bot offenbar nicht mehr genug Raum. Ist die Zeit der Marktnischen vielleicht überhaupt vorbei?

Über Europa – aber auch über Japan – rollt eine Konzentrationswelle, die alle technologisch hochentwickelten Industrien und im Gefolge auch die Finanzinstitute erfaßt hat. In Japan schließt sich die Stahlindustrie zusammen, in Frankreich sind es die Banken. Das englische Beispiel zeigt, daß auch die Automobilindustrie nicht ausgeschlossen bleibt – ein Vorgang, der sich in den USA schon in den zwanziger Jahren vollzog, als dort die Motorisierung bereits einen Stand erreicht hatte, wie ihn Europa erst in diesem Jahrzehnt verzeichnete.

Gewiß, von den Marken, die vom Flair der großen Welt umgeben sind, ist Rolls-Royce noch selbständig. Doch der Rolls-Royce-Konzern verkauft nicht nur Automobile, er produziert vor allem Flugzeugtriebwerke, die in aller Welt begehrt sind. hm