Hamburger Werft Blohm & Voss AG hat keinen Neubauauftrag für ausländische Rechnung mehr in ihren Büchern stehen. Die 18 Schiffe, die sie in den nächsten Jahren bauen wird, sind ausschließlich von inländischen Reedern bestellt worden. Die Exportunfähigkeit der Werft liegt weniger in ihren Preisen als vielmehr in dem Umstand, daß die ausländischen Reeder das Schiff nicht nur gebaut, sondern auch finanziert haben wollen. Und auf diesem Gebiet sind die deutschen Werften leicht zu schlagen. Der deutsche Kapitalmarkt liefert gegenwärtig nicht einmal mehr zu hohen Zinsen genügend Mittel für die Schiffbaufinanzierung.

Nun sind Neubauten zur Zeit für die Werften ohnehin kein Vergnügen. Zu kostendeckenden Preisen kann nicht gebaut werden. Deshalb ist Blohm & Voss schon seit Jahren bemüht, den Anteil der Neubauten am Umsatz zu verringern. 1964 waren es noch 56 Prozent, 1965 sank die Quote auf 52 Prozent und 1966 sollen es bei einem zu erwartenden Gesamtumsatz von 350 bis 400 Millionen Mark nur noch 40 Prozent sein. Der Vorstand hat die nicht mit dem Schiffneubaurisiko belasteten Fertigungen forciert. Dazu zählen. Maschinen- und Motorenbau ebenso wie der sogenannte Behälterbau, hinter dem sich ein Rüstungsauftrag verbirgt.

Die Hauptaufgabe der Verwaltung besteht zur Zeit in der Eingliederung des vor viereinhalb Monaten erworbenen Betriebes der Werft H. C. Stülcken Sohn und seiner Tochtergesellschaft Ottensener Eisenwerk GmbH (früher zum Schlieker-Bereich gehörend). Mit dieser Transaktion ist im Herzen des Hamburger Hafens ein Großunternehmen mit einer Belegschaft von rund 8600 Menschen entstanden, das mit einem breiten schiff- und vor allem maschinenbaulichen Programm internationalen Größenordnungen entspricht.

Dank des begrenzten Anteils an Neubauten am Umsatz sieht die Ertragsrechnung einigermaßen erfreulich aus, wenngleich der ausgewiesene Gewinn von 1,05 Millionen Mark nicht echt verdient ist. Er wurde durch eine Bewertungskorrektur des Anlagevermögens möglich. Der Gewinn wird in die freien Rücklagen eingestellt.

K. W.