Vorbereitungen für die Spiele

Von Eka von Merveldt

Spätestens am dritten Tage, nachdem der Besucher aus Deutschland auf der Lufthansa-Route von Frankfurt über Montreal in Mexico City angekommen ist, erinnert er sich all der Diskussionen, die nun schon seit Monaten darüber entbrannt sind, daß „Los Juegos de la XIX. Olimpiada 1968“ auf dem 2400 Meter hoch gelegenen Bergtal stattfinden werden. Man bedenke, so weit südlich wie die Südsahara und doppelt so hoch wie die Zugspitze! Spätestens am dritten Tag seines Aufenthaltes wird der Besucher Herzklopfen verspürt haben beim Treppensteigen im Hotel oder auf der Straße, sobald er ein paar Schritte zu schnell machte. Ganz gewiß aber, wenn er einen Ausflug zu der nahen Mond- und Sonnenpyramide von Teotihuacan unternimmt und dort beginnt, die vielen steilen Stufen zu erklettern. Ja, es stimmt, man wird schneller atemlos in dieser Höhe über dem Meeresspiegel. Aber auch Sportler? Die Frage, ob diese Olympiade also das Hasardspiel sein wird, wie es Engländer und Dänen nennen, wird hier quälend.

Glasklare Luft, diffuse Helligkeit

Die Erklärungen, die der Leser in mexikanischen Zeitungen dazu findet, sehen natürlich anders aus als die Hiobsbotschaften in Europa. Mexikaner frohlocken, daß die Höhe diesmal einige Nationen begünstige, die ähnliche Bedingungen in ihrem Heimatland haben wie sie selbst – zum Beispiel Abessinien – und die bisher stets im Nachteil waren. Was dem Besucher in der Hauptstadt Mexikos den Atem raubt, sind aber nicht so sehr die glasklare Höhenluft und ihre unbarmherzige, diffuse Helligkeit, die die Augen blendet, es ist das tolle Gebilde dieser Stadt, die überraschende Erscheinungen und Reaktionen bei den Fremden hervorruft; die Atemnot erscheint daneben harmlos. Das irritierende Licht, die harte Sonne, das Eintauchen in einen sehr fremden Lebenskreis, in dem sich europäisches und indianisches Erbe, Heidentum und Katholizismus zu überraschendem Ergebnis mischen.

Was es auch sein mag – auch Fremde, die schon seit Jahren im Lande leben, beobachten an sich eine Art Zerstreutheit und gestörter Reaktionsfähigkeit, die sie zuweilen ängstigt. Zum Beispiel: Jemand will ein Auto aufschließen und zieht dazu das Feuerzug aus der Tasche, oder jemand will in das Badezimmer des Hotels gehen, um sich die Hände zu waschen, und findet sich auf dem Korridor wieder ... Und dies sind die harmlosesten Fälle.

Mexico City – dies tolle Gebilde dehnt sich amerikanisch uferlos aus, aber im Zentrum ist die Stadt mit einem der vornehmsten Plätze der Welt geschmückt, dem Zocalo oder, offiziell, dem Platz der Freiheit. Er ist nachts von Lampenketten märchenhaft angestrahlt, ohne Neonlicht, ohne Geschäfte und Cafés, ohne Autos, umsäumt von der Kathedrale und Regierungsgebäuden, ein majestätischer Festsaal unter hohem Himmel. Dafür brausen die Autokolonnen in acht Reihen über die dreißig oder vierzig Kilometer lange Avenida de los Insurgentes (wie lang sie wirklich ist, darüber gibt es keine klare Auskunft).