Vermutlich hat es ein amtliches, mit der deutschen Kohlemisere befaßtes Gehirn ersonnen: daß nämlich die Umwandlung von Kohle in elektrischen Strom eine „Verstromung“ sei. Jedenfalls ist das Wort geboren und gewiß so lebenstüchtig, daß es Mühe kosten wird, es wieder loszuwerden. Inzwischen stellen sich ungute Reflexionen ein...

Macht man aus Kohle nicht elektrischen Strom, sondern Gas, müßte der Vorgang entsprechend „Vergasung“ heißen. Man könnte mit dieser Anwendung sogar den bösen Sinn des Wortes „bewältigen“...

Sicher ist jenes Wort von der „Vergasung“ in seiner Unmenschlichkeit einem amtlichen Gehirn entsprungen, und man spräche wohl auch von „Verstromungen“, wenn es hierzulande Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl gäbe: es klänge so schön „veraktet“...

Bedeutet die „Verstromung“ von Kohle, daß Kohle in Strom umgewandelt wird, dann wäre möglicherweise die Verhunzung der Sprache eine Umwandlung von Sprache in Hunz (zum Gebrauch sozusagen für Hunz und Kunz). Aber der alte Wortsinn aus dem 17. Jahrhundert trifft es doch genauer: man verhunzt die Sprache, wenn man sie wie einen Hund behandelt...

Verströmen, vergasen, verhunzen; Verstromung, Vergasung, Verhunzung: es muß da deutsche Parallelen geben zwischen der Behandlung der Sprache und der Einschätzung und der Behandlung von Hunden und Menschen...

Wilhelm Höck