Frank und frei hatte Franz Meyers in der Wahlnacht zugegeben, nicht Ludwig Erhard, sondern er habe die Landtagswahl an Rhein und Ruhr verloren. Nichtsdestoweniger ließ er sich am Montag abermals zum Ministerpräsidenten des größten und reichsten Bundeslandes wählen. CDU und FDP hatten sich unter Zureden von Bonn entschlossen, ihre Koalition fortzusetzen, obwohl sie im neuen Landtag nur über eine Mehrheit von zwei Stimmen verfügen.

Die siegreiche SPD zwang ihre Gegner zu einer Kampfabstimmung und präsentierte ihren Landesvorsitzenden Heinz Kühn als Gegenkandidaten. Keiner der 200 Abgeordneten fehlte. Die alten und neuen Koalitionsparteien waren sich ihrer Sache sicher. Dennoch ging es zunächst schief: Meyers erreichte nicht die im ersten Wahlgang nötige absolute Mehrheit. Ein Abgeordneter hatte sich der Stimme enthalten. Auch beim zweiten Durchgang, bei dem die relative Mehrheit genügte, war das Ergebnis wieder dasselbe: 100 für Meyers, 99 für Kühn, eine Enthaltung.

Die Sozialdemokraten machten saure Mienen zum demokratischen Spiel. Heinz Kühn brachte es nicht über sich, seinem Gegenkandidaten zur Wahl zu gratulieren. Er hat Meyers die härteste Opposition angesagt, Schon ein paar Grippe-Erkrankungen können die Regierung lahmlegen oder sogar Fall bringen. Innenminister Willi Weyer, der Landesvorsitzende der FDP, meinte vorsichtig, es müsse abgewartet werden, ob dieses Kabinett vier Jahre Bestand haben werde.